European Defence Fund – mehr als ein Förderinstrument

European Defence Fund – mehr als ein Förderinstrument
  • 18.02.2026
  • Lesezeit 4 Minuten

Der European Defence Fund bietet KMU und Start-ups erstmals echten Zugang zu über 1 Mrd. € F&E-Förderung – und wird so zum strategischen Einstiegspunkt für technologiegetriebene Innovationsprojekte in Europa.

European Defence Fund: Neue Förderchancen für KMU und Start-ups 

Viele KMU und Start-ups kennen den European Defence Fund (EDF) bislang kaum oder halten ihn für ein Instrument für Großkonzerne. Dabei stellt die Europäische Union mit dem Arbeitsprogramm 2026 rund 1 Mrd. € für verteidigungsbezogene Forschung und Entwicklung bereit, unabhängig von der Unternehmensgröße. Gefördert werden Forschungs- und Entwicklungsprojekte vor der Serienproduktion in 31 Themenbereichen, darunter Künstliche Intelligenz, Cyber und digitale Resilienz, Sensorik, Raumfahrt, autonome Systeme, Quantentechnologien sowie innovative Plattform- und Systemlösungen. Ergänzt wird dies durch technologieoffene Entwicklungsprojekte mit besonderem Fokus auf KMU und Start-ups. 

Der EDF ist bewusst als Einstiegsinstrument konzipiert. Er senkt frühe technologische Risiken und ordnet Projekte entlang einer klaren Phasenlogik – ein Aspekt, der häufig unterschätzt wird, wenn der Fokus ausschließlich auf dem Förderantrag liegt. 

Forschung bis Prototyp: Wie der EDF technologische Risiken reduziert 

In der Forschungsphase übernimmt die EU das technologische Risiko weitgehend selbst; Förderquoten von bis zu 100 % in Form von Zuschüssen sind möglich. Für KMU bedeutet das, Technologien weiterzuentwickeln, ohne frühzeitig Eigenkapital binden zu müssen. Gleichzeitig werden hier zentrale Entscheidungen getroffen, zur Technologie, zur Rolle im Konsortium und zur späteren Nutzung der Ergebnisse. Diese Weichenstellungen bestimmen, ob ein Projekt später finanzierbar und skalierbar ist. Förderung ist hier nicht das Ziel, sondern der Startpunkt eines klaren Entwicklungsprozesses. 

Erfolgsfaktor Konsortium: Warum europäische Partnerschaften entscheidend sind 

Zentrale Voraussetzung des EDF ist die Zusammenarbeit in einem europäischen Konsortium, bereits ab der Forschungsphase. Das ist kein Selbstzweck: Konsortien bündeln Kompetenzen, vermeiden Doppelentwicklungen und erhöhen Effizienz. Spätestens in der Entwicklungsphase ist diese Projektarchitektur zwingend und Voraussetzung für Förderung, Marktzugang und Investierbarkeit. 

Mit der Entwicklungsphase greift die Kofinanzierungslogik. Prototypen, Tests und Validierung werden nur noch anteilig (typisch 20–80 %) gefördert; Eigenmittel werden erforderlich. Neben der EU-Förderung kann nationale Förderung ergänzend wirken. Business Angels, Family Offices und Venture Capital treten als Co-Finanzierer hinzu und begleiten den Übergang zu marktfähigen und investierbaren Projekt- und Produktansätzen. 

Von der Förderung zum Markt: Strukturierte Entwicklung sichert Investierbarkeit 

In der Umsetzungsphase endet die EDF-Förderung. Der Fokus liegt auf Produktion, Lieferketten und Marktzugang. Private Equity und institutionelle Investoren werden relevant. Dabei gilt: Der EDF fördert Forschung und Entwicklung – die Nachfrage entsteht über staatliche Beschaffung. Projekte mit Bezug zur Permanent Structured Cooperation (PESCO) sind politisch besonders priorisiert. Sie adressieren einen gemeinsamen Bedarf der Mitgliedstaaten und erhöhen damit sowohl die Förderattraktivität im EDF als auch die Wahrscheinlichkeit späterer Beschaffung. Ob Investoren einsteigen, hängt wesentlich davon ab, wie strukturiert die vorherigen Phasen angelegt wurden. 

Der EDF wirkt damit als europäischer Ordnungsrahmen, der Forschungs- und Entwicklungsprojekte entlang klarer Entwicklungsstufen koordiniert. Für KMU und Start-ups ist entscheidend, dass Technologie, Projektpartner und Finanzierung früh zusammenpassen. 

Sprechen Sie uns an, wenn Sie Fragen rund um die Möglichkeiten des European Defence Fund haben.

Der Beratungsansatz von Baker Tilly setzt genau hier an. Wir verstehen den EDF als Startpunkt eines klaren Entwicklungsprozesses, nicht als isolierten Zuschuss. Förderkompetenz ist Voraussetzung. Entscheidend ist die strukturierte Ableitung der nächsten Schritte, von der Forschungsförderung über die Kofinanzierung bis zur anschlussfähigen Umsetzung in Produktion und Markt. 

Der Einreichungszeitraum hat am 22.01.2026 begonnen und endet am 29.09.2026, 17;00 Uhr. Projektzuschnitt, Konsortium und Kapitalstrategie müssen deutlich vor Antragstellung feststehen. 

Fazit: Der EDF finanziert Forschung und Entwicklung. Wert entsteht durch Struktur.