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Formale Buchhaltung genügt nicht: Ohne klare Vorgaben und strukturelle Einbindung verliert Accounting seine Steuerungsfunktion – besonders in Gruppenstrukturen mit dezentraler Verantwortung.
Ein funktionierendes Rechnungswesen ist in vielen Unternehmen längst selbstverständlich. Die Abläufe sind eingespielt, Buchhaltungssoftware und Zahlungsprozesse etabliert, Monatsabschlüsse werden zuverlässig erstellt.
Und doch zeigen sich in der Praxis häufig strukturelle Schwächen – gerade in Beteiligungsgesellschaften, Unternehmensgruppen oder Portfoliounternehmen mit dezentraler Verantwortung. Dort, wo klare steuerliche und betriebswirtschaftliche Vorgaben fehlen, wird das Rechnungswesen zwar formal korrekt geführt – aber ohne inhaltliche Steuerung, Einbindung oder strategische Wirkung.
Die Buchhaltung funktioniert, aber sie „arbeitet ins Leere“: Es fehlt an wirtschaftlicher Einbettung, an Prioritäten, an der Frage: Was soll aus diesen Zahlen eigentlich folgen?
Gerade bei Gesellschaften mit Fremdgeschäftsführern, bei ausgelagerten Accounting-Funktionen oder in Strukturen mit getrennter Verantwortlichkeit (z. B. zwischen Holding und operativen Einheiten) ist das kein Einzelfall.
Das Rechnungswesen wird zur reinen Verwaltung von Geschäftsvorfällen – statt zur Grundlage für unternehmerische Steuerung. Das kann sich im Alltag unterschiedlich zeigen:
In diesen Fällen braucht es eine steuernde Instanz – nicht im Sinne der Kontrolle, sondern als strukturierende Kraft.
Ein verlässliches Rechnungswesen braucht nicht nur Prozesse, sondern Rahmenbedingungen: Welche Auswertungen werden erwartet? Welche Bilanzierungsfragen sind offen? Wer verantwortet Entscheidungen an der Schnittstelle zwischen Buchhaltung und Steuerplanung?
Die Erfahrung zeigt: Wenn diese Fragen nicht beantwortet sind, entstehen Lücken – nicht im System, sondern in der Wirkung. Die Daten stimmen, aber sie führen zu keinem wirtschaftlichen Handlungsimpuls.
Besonders relevant wird dieses Thema, wenn mehrere Gesellschaften unter einem Dach geführt werden – etwa bei wachsenden Unternehmensgruppen, Beteiligungen von Investoren oder bei familiengeführten Strukturen mit zentraler Holding.
Oft fehlt es hier an einheitlichen Vorgaben, an Schnittstellen zu Steuerberatung, Controlling oder Management – und an einer abgestimmten Bilanzpolitik. Entscheidungen über Periodenabgrenzungen, über Aktivierungen oder über Rückstellungen erfolgen isoliert, ohne Abstimmung – und führen im Ergebnis zu schlechter Vergleichbarkeit, zu Verzerrungen im Reporting oder zu Problemen bei der steuerlichen Vorausplanung.
Rechnungswesen ist kein Selbstzweck. Es ist die Grundlage für Reporting, Steuerung und Planung – vorausgesetzt, es ist strukturell eingebunden. Dafür braucht es keine aufwändige Umorganisation. Oft genügt eine Klarstellung:
Ein Buchhaltungsteam, das technisch gut aufgestellt ist, kann viel leisten – wenn es mit den richtigen Vorgaben und Rückmeldungen arbeitet.
Ob in mittelständischen Unternehmensgruppen oder in Beteiligungsstrukturen: Die besten Prozesse entfalten nur dann ihre Wirkung, wenn sie Teil einer steuerlichen und wirtschaftlichen Gesamtsteuerung sind.
Accounting ohne Richtung bleibt reaktiv. Accounting mit Struktur wird zum Steuerungsinstrument. Und genau das ist der Unterschied, der in der Praxis den Ausschlag gibt – nicht nur im Jahresabschluss, sondern in der täglichen Entscheidungsfähigkeit.
Marcel Radke
Partner
Steuerberater
Kerstin Winkler
Steuerberaterin
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