Steuerliche Behandlung von Wohnrechtspunkten als Dividendenersatz

Erstellt von Christian Eisele | |  Real Estate

Anbieter von Ferienwohnrechten erfreuen sich unter Aktionären großer Beliebtheit. Inhaber von Aktien an diesen Unternehmen erhalten in der Regel anstatt Dividenden jährlich zeitlich befristet gültige Wohnberechtigungspunkte gutgeschrieben. Mit diesen Punkten haben die Aktionäre die Möglichkeit, Ferienanlagen, Häuser oder Wohnungen der Anbieter unentgeltlich zu nutzen.

Je nach Reisezeit und Reiseziel kann der Punkteeinsatz für den Urlaub variieren. Zusätzlich haben die Nutzer noch Nebenkosten und oft einen jährlichen Verwaltungsbeitrag zu zahlen. Die Gutschrift dieser Wohnrechtspunkte aus Aktienbesitz löst keine Einkommensteuer aus. Erst die konkrete Nutzung einer Ferienwohnung durch Einsatz der Punkte führt zur Steuerpflicht. Regelmäßig stellen sich dabei Fragen nach der Bewertung dieser Nutzung und dem Abzug der Jahresbeiträge als Werbungskosten.

Die Überlassung von Ferienwohnungen zur zeitlich vorübergehenden Nutzung nach Maßgabe eines Wohnungsberechtigungspunktesystems führt beim Aktionär zu steuerpflichtigen Einkünften aus Kapitalvermögen nach § 20 Abs. 1 Nr. 1 EStG (BFH-Urteil vom 16.12.1992, Az. I-R 32/92 und vom 26.08.1993, Az. I-R 44/92). Mit der Nutzungsüberlassung der Ferienobjekte gewährt die Gesellschaft dem Aktionär einen unentgeltlichen Sachbezug, denn der Aktionär muss keine Nutzungsgebühr/Miete zahlen. Als Aktionär und Darlehensgeber hat der Aktionär der Gesellschaft ein Darlehen zur Verfügung gestellt. Hierfür werden ihm jährlich Wohnberechtigungspunkte gutgeschrieben. Diese verkörpern sein Recht, die Ferienobjekte der AG nutzen zu können, und zwar ohne hierfür ein gesondertes Mietentgelt zahlen zu müssen. Dass im Zusammenhang mit der Nutzung der Mietobjekte Nebenkosten anfallen, die der Kläger zahlen muss, steht der Annahme der Unentgeltlichkeit nicht entgegen. Die Nebenkosten entstehen anlässlich der unentgeltlichen Nutzungsüberlassung der Ferienobjekte. Sie sind kein Entgelt für die Nutzung. Diese Auffassung hat zuletzt das Finanzgericht Münster mit Urteil vom 02.07.2013 (Az. 11 K 4508/11 E) bestätigt.

Die Wohnrechtspunkte fließen erst mit der Nutzungsüberlassung der Wohnung dem Aktionär zu und sind mit dem üblichen Mittelpreis des Verbrauchsortes (= ortsübliche Vergleichsmiete) zu bewerten (§ 8 Abs. 2 Satz 1 EStG). Die Vergleichsmiete kann in der Regel der Aktionär nicht selbst berechnen. Er ist dabei vielmehr auf eine Berechnung der Gesellschaft angewiesen. Eine alternative Berechnung der eingesetzten Wohnrechtspunkte nach dem Nutzwert, also unter Berücksichtigung der Aufwendungen, die mit dem Aufenthalt verbunden sind, ist nicht möglich. Die Kürzung der Vergleichsmiete um Vertriebskosten oder der vom Aktionär geleisteten Jahresbeiträge/ Depotgebühren im Rahmen der Bewertung der Vergleichsmiete nach § 8 Abs. 2 Satz 1 EStG ist ebenfalls nicht erlaubt, denn diese Aufwendungen hat der Aktionär unabhängig von der konkreten Nutzung eines Ferienobjektes zu erbringen. Die Jahresbeiträge sind jedoch Werbungskosten im Zusammenhang mit den Einkünften aus Kapitalvermögen, deren Abzug aber seit Einführung des Abgeltungssteuersystems als Werbungskosten nicht mehr möglich ist (§ 20 Abs. 9 EStG).

Da nur die Wohnungsnutzung und nicht die Punktegutschrift Gegenstand der Besteuerung ist, unterliegen abgetretene, verfallene und anderweitig nicht genutzte Wohnpunkte nicht der Einkommensteuer. Werden jedoch Wohnpunkte gegen Entgelt verkauft, unterliegt dieses Entgelt der Steuerpflicht.

Für die eingesetzten Wohnrechtspunkte als Einkünfte aus Kapitalvermögen wird regelmäßig der Ansässigkeitsstaat des Aktionärs das Besteuerungsrecht haben. Es kann jedoch Sinn machen, das jeweils einschlägige Doppelbesteuerungsabkommen zwischen Deutschland und dem Ansässigkeitsstaat der Gesellschaft hinsichtlich eines Besteuerungsrechts Deutschlands zu prüfen.