XETRA-Gold: Gewinne steuerfrei?!

Erstellt von Baker Tilly | |  Legal & Tax

Seit 2009 sind Veräußerungen von Kapitalanlagen für Privatanleger nur noch ausnahmsweise steuerfrei. So lassen sich Gewinne oder Verluste aus dem An- und Verkauf von physischen Goldbarren oder -münzen weiterhin nach Ablauf eines Haltejahres steuerfrei vereinnahmen. Umstritten war hingegen von Anfang an die Behandlung von Goldanleihen. Die Finanzverwaltung vertrat frühzeitig eine fiskalische Sichtweise: Die Einlösung und der Verkauf von Schuldverschreibungen mit Lieferanspruch auf Gold unterfallen generell und laufzeitunabhängig der Abgeltungsteuer. Zwei Finanzgerichte gaben nun den klagenden Anlegern Recht. Diese hatten argumentiert, dass Umsätze in XETRA-Gold steuerlich wie der physische Direktkauf und -verkauf von Gold zu behandeln seien.

In dem vom FG Sachsen zu entscheidenden Fall hatte der Anleger im Jahre 2011 XETRA-Gold Anleihen nach mehr als einjähriger Haltedauer mit Gewinn verkauft (1 K 1406/13). Das Finanzamt setzte hierauf Abgeltungsteuer fest. In dem beim FG Münster laufenden Parallelverfahren (12 K 3284/13 E) hatte ein Anleger ebenfalls XETRA-Gold gekauft. Er verkaufte diese nicht, sondern machte seinen Lieferanspruch geltend und löste die XETRA-Gold-Papiere gegen physisches Gold ein. Das physische Gold behielt er in seinem Bestand. Auch in diesem Fall behandelte die depotführende Bank entsprechend den Vorgaben  der Finanzverwaltung die Einlösung als Veräußerungsvorgang und behielt Abgeltungsteuer ein.


Beide Finanzgerichte erteilten der Auffassung der Finanzverwaltung eine Absage. Ihre gleichlautende Begründung: Der Abgeltungsteuer unterliegen nur Gewinne aus Kapitalforderungen. Dies sind auf Geldleistung gerichtete Forderungen. Anleihen wie XETRA-Gold hingegen, die vollständig durch Gold gedeckt sind und (nur!) einen (Sach-) Lieferanspruch auf Gold verbriefen, sind keine Kapitalforderungen in diesem Sinne. Daher unterliegt der An- und Verkauf von XETRA-Gold generell nicht der Abgeltungsteuer. Und eine tarifliche Einkommensteuer fällt nur bei Verkauf innerhalb von einem Jahr an. Revision beim Bundesfinanzhof wurde jedenfalls gegen die Entscheidung des FG Sachsen bereits eingelegt.

Nicht in jedem Fall mag jedoch die jüngste Rechtsprechung für den Anleger von Vorteil sein. Sofern die Gewinne binnen Jahresfrist angefallen sind, ist je nach Gewinnhöhe die Inkaufnahme von 25 % Abgeltungsteuer mitunter günstiger als die Besteuerung zum individuellen Einkommensteuersatz bis zu 45 %. Und im Verlustfall ist die bisherige BMF-Auffassung oftmals günstiger. Um von den beiden Gerichtsentscheidungen zu profitieren, sollten die Steuerbescheide unter Hinweis auf die BFH-Verfahren offen halten.