Legal & Tax, 01.03.2018

Bitcoins als Anlageobjekt: Verkäufer erwirtschaften steuerpflichtige Einnahmen

Der Kauf und Verkauf von Bitcoins und anderen Kryptowährungen ist immer öfter im Fokus der Medien, nachdem die Kurse in den vergangenen Jahren zwar enorme Wertzuwächse verzeichnet haben, aber auch sehr volatil waren. Vielen privaten Anlegern ist nicht bekannt, wie sich die Transaktionen in Bitcoins steuerlich einordnen lassen. Oft wird übersehen, dass grundsätzlich alle Einkünfte die ein Steuerpflichtiger erzielt, der Einkommensbesteuerung unterliegen. Dies gilt auch für Einkünfte, die mit Bitcoins erwirtschaftet werden.

Dem Name nach vermutet man eine „digitale Münze“ - dies ist jedoch jedenfalls aus steuerlicher Perspektive nicht der Fall. Obwohl die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) Bitcoins als Finanzinstrumente nach dem Kreditwesengesetz qualifiziert hat, handelt es sich nach Auffassung des Bundesfinanzministeriums bei Bitcoins und anderen Kryptowährungen um  sonstige Wirtschaftsgüter, ähnlich wie Edelmetalle, Immobilien oder Antiquitäten.

Konsequenzen

Folgte die Finanzverwaltung der Auffassung der BaFin, so erzielte man mit Bitcoins Einkünfte aus Kapitalvermögen ähnlich wie mit Aktien oder Anleihen. Bei Anlagen, die über eine Depotbank gehalten werden, führt die entsprechende Bank grundsätzlich die Kapitalertragsteuer auf etwaige Gewinne, die sog. „Abgeltungssteuer“, an das Finanzamt ab; der Anleger hat damit seine steuerlichen Pflichten erfüllt.

Bei Gewinnen oder Verlusten aus dem Handel von Bitcoins könnte schon keine abgeltende Besteuerung erfolgen, da Bitcoins nicht in einem Depot, sondern in einem sogenannten „Wallet“, das nicht bei einer Bank geführt wird, gehalten werden.

Nach Auffassung des  Bundesfinanzministeriums und damit der Finanzverwaltung ist der Handel mit Bitcoins bzw. anderen Kryptowährungen unter die sonstigen Einkünfte, genauer unter die Privaten Veräußerungsgeschäfte zu subsumieren. Als Folge daraus unterliegen die Einkünfte nicht der Abgeltungssteuer, sondern dem persönlichen Steuertarif des Steuerpflichtigen, jedoch nur, soweit Kauf und Verkauf innerhalb eines Jahres erfolgen. Im Falle des gewerblichen Handels mit digitalen Währungen sind grundsätzlich alle Transaktionen steuerpflichtig, unabhängig von der Haltezeit.

Der Steuerpflichtige ist verpflichtet, seine Besteuerungsgrundlagen vollständig und wahrheitsgemäß offenzulegen. Darunter fallen daher auch die Gewinne aus der Veräußerung bzw. dem Tausch von Bitcoins. Diese Pflicht zu verletzen, kann steuerstrafrechtliche Konsequenzen haben.

Die umsatzsteuerrechtliche Behandlung der Verwendung von Bitcoins in Deutschland ist nach dem EuGH-Urteil in der Sache Hedquist und dem am 27.02.2018 veröffentlichten BMF-Schreiben geklärt.

Beim Umtausch von Bitcoin in konventionelle Währung und umgekehrt handelt es sich um eine steuerbare sonstige Leistung, die jedoch steuerfrei zu behandeln ist. Die Verwendung von Bitcoins als Zahlungsmittel wird der Verwendung von konventionellen Zahlungsmitteln gleichgesetzt, soweit die sog. virtuelle Währung keinem anderen Zweck als dem eines Zahlungsmittels dient. Die bloße Entgeltentrichtung ist nicht steuerbar.

Einordnung und Ermittlung

Die Einkünfte aus dem Handel mit Bitcoins ermitteln sich aus der Differenz zwischen Veräußerungspreis und Anschaffungskosten, jeweils im Zeitpunkt des Zu- bzw. Abflusses in Euro. Entstehen Verluste, können diese nur innerhalb der Einkunftsart rückwirkend für ein Jahr und unbegrenzt im aktuellen, sowie in nachfolgenden Steuerjahren berücksichtigt werden.

Zweifelhaft ist noch die Verwendungsreihenfolge der angeschafften Bitcoins. Beim Handel mit Aktien beispielsweise oder bei Fremdwährungsgeschäften ist die vorgeschriebene Verwendungsreihenfolge das FiFo-Verfahren – das zuerst angeschaffte Wirtschaftsgut gilt als zuerst veräußert. Dies gilt aber nicht zwingend analog für den Handel mit Bitcoins. Da Geschäfte mit Fremdwährungen dem Handel mit Bitcoins sachlich vergleichbar sind, wie auch im BMF-Schreiben vom 27.02.2018 bezüglich der umsatzsteuerlichen Behandlung von Bitcoins als Zahlungsmittel dargestellt, erscheint die Anwendung des FiFo-Verfahrens aus Beratersicht folgerichtig.

Um dem Finanzamt Gewinne, Verluste oder auch die Steuerfreiheit eindeutig nachweisen zu können, ist es jedoch zwingend notwendig, alle Käufe und Verkäufe sorgfältig und vollständig zu dokumentieren.

Stephanie Müller, Manager, Steuerberaterin