Neuerung im Bereich des Risikomanagements durch die KaMaRisk

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Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) müssen sich als Manager von Fonds bei ihrer Aufgabe, Investmentvermögen aufzulegen und diese in ihr Portfolio- und Risikomanagement aufzunehmen, an einer ganzen Reihe von Standards orientieren. Bisher wurden die Regelungen der Wertpapierfondsmanager (InvMaRisk) analog für Manager alternativer Investmentvermögen angewendet, was im Detail jedoch zu vielen offenen Fragen geführt hat. Am 10. Januar 2017 jedoch hat die BaFin ein Rundschreiben mit den Mindestanforderungen an das Risikomanagement von Kapitalverwaltungsgesellschaften (KaMaRisk) veröffentlicht, das die InvMaRisk inhaltlich überarbeitet und sowohl für Manager von Wertpapierfonds als auch von alternativen Fonds vereinheitlicht. Das Rundschreiben findet für alle lizenzierten, aber auch teilweise für die lediglich registrierte KVGen Anwendung.

Die inhaltlichen Änderungen betreffen größtenteils die Mindestanforderungen an das allgemeine Risikomanagementsystem, die Vergabe von Darlehen sowie weitere Bereiche wie Outsourcing und Compliance.

Die inhaltlichen Anpassungen der KaMaRisk im Risikomanagement orientieren sich größtenteils an den grundsätzlichen gesetzlichen Anforderungen an das Risikomanagement in § 29 KAGB und betreffen insbesondere die Bereiche Internes Kontrollsystem und Funktionstrennung. Hervorzuheben sind folgende Änderungen:

  • Erfordernis eines jährlichen Risikoberichts mit Risikolimitreporting

    Durch die Aufnahme des Artikels 60 Abs. 4 Level 2-VO ist seitens der KVG sicherzustellen, dass die Geschäftsleiter mindestens einmal jährlich schriftliche Berichte zu Fragen des Risikomanagements erhalten. Daneben hat die KVG nach Artikel 39 Abs. 1 Level 2-VO die Risikolimits sowie die Risikomanagement-Prozesse zu überwachen und durch zutreffende organisatorische Vorkehrungen die Geschäftsleiter regelmäßig über tatsächliche oder vorhersehbare Überschreitungen der festgelegten Risikolimits zu informieren.
  • Detaillierung der Anforderungen an das Fonds-Risikocontrolling

    Der Bereich Risikocontrolling wurde merklich überarbeitet und in die KaMaRisk als eigenständiger Bereich aufgenommen. Es soll eine fortlaufende Erfassung, Messung, Steuerung und Überwachung der wesentlichen Risiken eines Investmentvermögens unter Verwendung von Risikomesstechniken gewährleistet werden. Nach Artikel 44 Abs. 1 und 2 Level 2-VO hat eine KVG für jeden von ihr verwalteten AIF unter Berücksichtigung aller einschlägigen Risiken quantitative und/oder qualitative Risikolimits einzurichten und umzusetzen. Zudem ist die Einrichtung eines Liquiditätsmanagements für geschlossene Investmentvermögen notwendig, wenn diese Leverage einsetzen (§ 30 Abs. 1 KAGB). Die Durchführung von Stresstests und die Prüfung der Übereinstimmung mit der Anlagestrategie, des Liquiditätsprofils und der Rücknahmegrundsätze eines jeden verwalteten Investmentvermögens ist im Einklang mit § 30 Abs. 2 und 3 KAGB durchzuführen. Zudem ergeben sich in diesem Bereich detailliertere Vorgaben nach den Artikeln 46 bis 49 der Level 2-VO.
  • Besondere Anforderungen an die Darlehensvergabe

    Im Bereich der Vergabe von Darlehen wurde der § 29 Abs. 5a KAGB in die KaMaRisk implementiert. Dadurch haben KVGen, die für Rechnung des AIF Gelddarlehen gewähren oder in unverbriefte Darlehensforderungen investieren, über eine angemessene Aufbau- und Ablauforganisation zu verfügen, die insbesondere Prozesse für die Kreditbearbeitung, die Kreditbearbeitungskontrolle und die Behandlung von Problemkrediten sowie Verfahren zur Früherkennung von Risiken vorsieht.  Im Allgemeinen ist hier eine Annäherung an die Organisation der Kreditvergabeprozesse eines Kreditinstituts zu beobachten.
  • Etablierung eines Neue-Produkte-Prozesses für Fondsanbieter

    Bei Investitionen in neue Produkte hat die KVG nachzuweisen, dass sie über ausreichende Kenntnisse in Bezug auf diese Produkte verfügt sowie schriftliche Grundsätze und Verfahren festlegt, um zu gewährleisten, dass Anlageentscheidungen, die für die AIF getroffen werden, mit deren Zielen, Anlagestrategie und ggfs. Risikolimits übereinstimmen.

Abschließend bleibt festzuhalten, dass bei einer grundlegenden Kontinuität in vielen Bereichen zwischen der KaMaRisk und der nunmehr aufgehobenen InvMaRisk ein deutlicher Anpassungs- und Organisationsbedarf insbesondere bei Anbietern alternativer Investmentvermögen oder bei Kreditfonds besteht. Eine detaillierte Übersicht der Änderungen von der InvMaRisk zur KaMaRisk ist auf der Webseite der BaFin abrufbar.