Fraud Study – Hinweisgeber führen am häufigsten zu Aufdeckung von strafbaren Handlungen

Erstellt von Michael Schwarz | |  Fraud • Risk • Compliance

Die Association of Certified Fraud Examiners. Inc. (ACFE) hat jüngst eine neue Studie, den „Report to the Nations on Occupational Fraud and Abuse, 2016“ veröffentlicht. Die Ergebnisse der Studie basieren auf einer weltweiten Online-Umfrage. Die Studie zeigt einige interessante Ergebnisse auf. So wurde zum Beispiel als häufigste Entdeckungsmethode für eine strafbare Handlung in Organisationen die diskrete Mitteilung eines Hinweisgebers genannt, wobei der in den meisten Fällen (noch) zum Telefonhörer gegriffen hat.

Die Studie basiert auf einer Umfrage, welche von Juli bis Oktober 2015 durchgeführt wurde. In Summe flossen 2.410 Antworten zu schädigenden Handlungen unterschiedlichster Art in die Studienergebnisse ein (Asset Missappropriation, Corruption und Financial Statement Fraud). Teilgenommen an der Studie haben Personen, die im Compliance Bereich, in der Internen Revision, in Rechtsabteilungen oder in der Finanzbuchhaltung von Unternehmen tätig sind oder sich hauptberuflich mit Sonderuntersuchungen befassen.

Die Studie macht einige interessante Ausführungen:

  • Der durch Betrug, Bilanzmanipulationen, Diebstahl bzw. Untreue unterschiedlichster Ausprägungen verursachte mediane Schaden im Unternehmen lag bei 150.000 USD.
  • Die durch ausschließlich Diebstahl oder Untreue verursachten medianen Schäden waren geringer (125.000 USD), allerdings stellten diese Handlungsweisen den ganz überwiegenden Teil der Fälle (83%) dar.
  • Die Schäden, die durch Bilanzmanipulationen unterschiedlichster Ausprägungen verursacht wurden, lagen ca. achtmal höher − hier waren aber in Summe deutlich weniger Fälle genannt worden (10%).
  • Je mehr Mitglieder einer Organisation in schädigende Handlungen verwickelt waren, desto höher fielen die Schadenssummen aus. Bei einem Täter lag der mediane Schaden bei 85.000 USD, bei fünf Tätern fiel er siebenmal höher aus.
  • In den meisten Fällen wurden von den Tätern Verschleierungshandlungen vorgenommen, um eine Entdeckung zu vermeiden. Hierbei wurden in den meisten Fällen immer noch physikalische Veränderungen an Dokumenten vorgenommen oder Dokumente vernichtet.
  • Die initiale Entdeckung von schädigenden Handlungen erfolgte in den meisten Fällen durch einen Tipp eines Hinweisgebers (39,1%), durch die Interne Revision (16,5) oder durch Kontrollen des Managements (13,4).
  • Wenn proaktive Methoden zur Entdeckung von strafbaren Handlungen in den Organisationen angewendet wurden, fielen die medianen Schäden geringer aus. Bei der Anwendung ausschließlich passiver Methoden, wurden höhere mediane Schäden genannt.
  • 40,7 % der Unternehmen entschieden sich, derartige Vorgänge nicht durch eine Strafanzeige zu verfolgen, da diese negative Schlagzeilen befürchteten.

Bei dem ACFE handelt es sich um eine 1988 in den USA gegründete Organisation, die sich vornehmlich mit Anti-Betrugs-Trainings und der Entwicklung von Methoden zur Entdeckung bzw. Prävention von strafbaren Handlungen in Unternehmen und Organisationen befasst. Der ACFE hat ca. 75.000 Mitgliedern, ist in 150 Ländern vertreten und die größte Organisation dieser Art.

Quelle:
Association of Certified Fraud Examiners. Inc.,
www.acfe.com/rttn2016.aspx