IFRS goes green: Frankfurt wird Sitz des neuen Internationalen Nachhaltigkeitsgremiums (ISSB)

Die IFRS Foundation verkündete auf dem Weltklimagipfel in Glasgow zentrale Maßnahmen für Sustainable Finance. Unter anderem die Gründung des Internationalen Nachhaltigkeitsgremiums (ISSB), das seinen Sitz in Frankfurt haben wird.

Die International Financial Reporting Standards (IFRS) Foundation hat am 3. November 2021 drei zentrale Entwicklungen angekündigt, um den globalen Finanzmärkten qualitative Angaben zu Klima- und Nachhaltigkeitsthemen zu liefern.

  1. Die Gründung eines International Sustainability Standards Board (ISSB).
    Das ISSB soll im öffentlichen Interesse eine globale Basis von qualitativ hochwertigen Standards für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen entwickeln.
     
  2. Eine Vereinbarung der führenden Organisationen sich in dem neuen Gremium zusammenzuschließen.
    Die IFRS Foundation wird die Konsolidierung des Climate Disclosure Standards Board (CDSB) und der Value Reporting Foundation (VRF) bis Juni 2022 abschließen.
     
  3. Die Veröffentlichung von Prototypen klimabezogener und allgemeiner Offenlegungsanforderungen, die von der Technical Readiness Working Group (TRWG) entwickelt wurden.
    Die TRWG wurde von der IFRS Foundation gebildet, um vorbereitende Arbeit für das ISSB zu leisten. Die entsprechenden Protoypen sind das Ergebnis einer sechsmonatigen gemeinsamen Arbeit von Vertretern des CDSB, IASB, der Financial Stability Boards Task Force on Climate-related Financial Disclosures (TCFD), des VRF und des Weltwirtschaftsforums. Unterstützt wurden sie von der International Organization of Securities Commissions (IOSCO) und ihrer technischen Expertengruppe der Wertpapieraufsichtsbehörden. 

Das ISSB wird neben dem IASB tätig sein und eng mit diesem zusammenarbeiten, um die Vereinbarkeit zwischen den IFRS-Rechnungslegungsstandards und den ISSB-Standards – den IFRS-Standards für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen – sicherzustellen. Das ISSB und das IASB werden unabhängig voneinander arbeiten und die entsprechenden Standards werden sich gegenseitig ergänzen. 


Nachgewiesene Nachfragen nach Nachhaltigkeitsinformationen

Die Finanzmärkte müssen die Risiken und Chancen, die sich für die einzelnen Unternehmen aus ESG-Themen ergeben, so zuverlässig wie möglich bewerten können, da diese den Unternehmenswert beeinflussen. Dies führt zu einer erheblichen Nachfrage nach brauchbaren Nachhaltigkeitsinformationen. Um den entsprechenden Informationsbedarf von Investoren und andere Kapitalgeber zu befriedigen, werden globale Standards für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen gefordert. 


Umfassende globale Ausgangsbasis

Das ISSB wird in enger Zusammenarbeit mit dem IASB sog. ISS Standards für die Berichterstattung von Nachhaltigkeitsinformationen erarbeiten, die im Einklang mit den IFRS-Standards stehen sollen. Somit sollen die Standards Unternehmen ermöglichen, umfassende Nachhaltigkeitsinformationen für die globalen Finanzmärkte auf der Basis einheitlicher Rege-lungen bereitzustellen.


Konsolidierung und Aufbau auf bestehenden Initiativen

Das ISSB wird auf der Arbeit bestehender anlageorientierter Berichtserstattungsinitiativen aufbauen, um der globale Standardsetzer für die Offenlegung von Nachhaltigkeitsinformationen für die Finanzmärkte zu werden. Um dieses Ziel zu erreichen, hat sich die IFRS Foundation mit dem CDSB und dem VRF geeinigt, die entsprechenden Expertisen und Ressourcen zu bündeln. Dabei ist beabsichtigt, dass die technischen Standards und Rahmenwerke des CDSB und des VRF zusammen mit denen des TCFC und des Forum Stakeholder Capitalism Metrics die Grundlage für die technische Arbeit des neuen Boards bilden werden.

In Anbetracht der Dringlichkeit und des Wunsches, dem ISSB eine solide Grundlage für die Aufnahme seiner Arbeit zu bieten, haben die Trustees die TRWG (Technical Readiness Working Group) gegründet, um dem ISSB Empfehlungen zu geben. Die TRWG hat ihre Arbeit an zwei Prototyp-Dokumenten abgeschlossen. Eines konzentriert sich auf klimabezogene Angaben, die auf den Empfehlungen des TCFD aufbauen und branchenspezifische Angaben enthalten, und ein Zweites enthält allgemeine Angaben zur Nachhaltigkeit.


ISSB global vertreten

Das ISSB wird weltweit und an mehreren Standorten vertreten sein. Dabei sollen alle Regionen – Nord- und Südamerika, Asien-Ozeanien und EMEA (Europa, der Nahe Osten und Afrika) – abgedeckt sein. 

Büros in Frankfurt (Sitz des Verwaltungsrats und Büro des Vorsitzenden) und in Montreal werden für wichtige Funktionen zur Unterstützung des neuen Verwaltungsrats und zur Vertiefung der Zusammenarbeit mit regionalen Interessengruppen zuständig sein. Die Büros in San Francisco und London werden ebenfalls technische Unterstützung leisten und die engere Zusammenarbeit mit den regionalen Interessengruppen bieten. Weitere Gespräche werden mit Vorschlägen für Büros in Peking und Tokio geführt, um die Präsenz des neuen Gremiums in der Region Asien und Ozeanien zu stärken.


Die nächsten Schritte

Es wird erwartet, dass der ISSB seine Arbeit aufnimmt, sobald der Vorsitzende und der/die stellvertrende(n) Vorsitzende(n) ernannt worden sind. 
Sobald dies vollendet ist, sollen die öffentlichen Konsultationen beginnen, um den Arbeitsplan des ISSB und die Vorschläge, die auf den Empfehlungen der TRWG beruhen, bekannt zu machen. Im Anschluss wird die Arbeit des ISSB dem strengen Verfahren der IFRS Foundation folgen, einschließlich öffentlicher Diskussionen des ISSB über die Rückmeldungen zu den Konsultationen und mögliche Verbesserungen der Vorschläge, bevor diese als Standards fertiggestellt werden. Der gesamte Prozess wird vom Trustees´ Due Process Oversight Comit-tee überwacht.

Das ISSB startet einen wegweisenden Standardsetting-Prozess in der Entwicklung einer ganzheitlichen Unternehmensberichterstattung.