Versorgungswirtschaft: BSI gibt den Startschuss für ein flächendeckendes „Smart-Metering“

Erstellt von Christopher Siebler | |  BTadvice 2020-Q1

Mit der „Allgemeinverfügung zur Feststellung der Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme“ vom 27.01.2020 hat das Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) den endgültigen Startschuss für die flächendeckende Umrüstung von Stromzählern auf intelligente Messsysteme gegeben. Nun sind die Systeme dreier Unternehmen am Markt verfügbar und durch das BSI zertifiziert.

Alle Versorgungsunternehmen, die ihren Status als „grundzuständiger Messstellenbetreiber“ behalten wollen, müssen nun binnen 3 Jahren 10 % der betroffenen Messstellen im Sinne des Messstellenbetriebsgesetzes (MsbG) umrüsten, § 45 Abs. 2 Nr.1 MsbG.

Allgemeinverfügung zur Feststellung der technischen Möglichkeit zum Einbau intelligenter Messsysteme

Hierdurch stehen die Versorgungsunternehmen vor Chancen und Herausforderungen: beispielsweise sind Roll-out-Prozesse effizient zu gestalten oder neue Vertriebskanäle und flexible Produkte können Kundenbeziehungen auf eine neue Basis stellen.

Im Bereich der Entflechtung und Regulierung werden durch die BSI-Feststellung eine Reihe von Fragestellungen zugespitzt:

So ist zwischen dem Institut der Wirtschaftsprüfer (IDW) und der Bundesnetzagentur (BNetzA) umstritten, inwieweit für das „smarte“ Messwesen nach dem MsbG ein gesonderter Tätigkeitsabschluss erstellt und geprüft werden muss oder eine Kontentrennung ausreicht. Durch die nun anwachsenden Aufwendungen für den Roll-out bekommt diese Frage eine deutlich höhere Relevanz.

Ebenso muss bei den regulierten Netznutzungsentgelten noch stärker darauf geachtet werden, dass Kosten für Messeinrichtungen und -systeme nach dem MsbG aus der Berechnungsgrundlage der regulierten Netznutzungsentgelte herausgerechnet werden; dies geschieht grds. über das Regulierungskonto. Die BNetzA hat hierbei geäußert, dass sie ohne weiteren Nachweis 25 % der Kosten als entgeltrelevante Remanenzkosten des Netzbetreibers ansieht. Höhere Kosten können daher auch nachgewiesen werden. Falls die Energieversorger von Landesregulierungsbehörden reguliert werden, sollte mit diesen bei der jährlichen Beantragung des Regulierungskontos und der anstehenden Kostenprüfung ein vergleichbares Vorgehen abgestimmt werden. 

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