„Überbrückungshilfe II“ und „Außerordentliche Wirtschaftshilfe“: auf die richtige Kombination kommt es an!

Erstellt von Jens Weber | |  Corona

Die deutsche Wirtschaft wird vor dem Hintergrund der Corona-Pandemie mit verschiedenen Programmen unterstützt. Neben den Kreditprogrammen der KfW ist dies im Wesentlichen derzeit die sog. „Überbrückungshilfe II“. Mit der „Außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ wurde nun ein zusätzliches Programm durch die Bundesregierung geschaffen. Wir erläutern, warum eine Kombination beider Förderprogramme durchaus sinnvoll sein kann.

Die „Überbrückungshilfe II“ stellt einen nicht zurückzuzahlenden Zuschuss zu den betrieblichen Fixkosten für die Monate September bis Dezember 2020 dar. Antragsberechtigt sind Unternehmen, deren Umsätze entweder im Durchschnitt um mindestens 30 % oder um mind. 50 % in zwei zusammenhängenden Monaten im Zeitraum April bis August 2020 im Vergleich zum Vorjahreszeitraum eingebrochen sind. Der Zuschuss wird in Abhängigkeit des erwarteten Umsatzeinbruchs im jeweiligen Fördermonat gewährt und beträgt monatlich max. 50.000 Euro. 

Zeitnah zu den angeordneten Schließungen bestimmter Branchen für den Monat November 2020 hat die Bundesregierung nun Details zu der neuen „Außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ bekannt gegeben: Diese umfasst einen Zuschuss in Höhe von 75 % des durchschnittlichen wöchentlichen Umsatzes im November 2019 pro Woche der Schließung bei einer regulären Obergrenze von 1 Million Euro für den gesamten November. Antragsberechtigt sind zum einen „direkt betroffene Unternehmen“, wenn diese aufgrund entsprechender Verordnungen ihren Betrieb (nahezu vollständig) einstellen müssen. Hierzu sollen auch Hotels gehören. Zum anderen sind „indirekt betroffene Unternehmen“, die 80 % ihrer Umsätze mit direkt betroffenen Unternehmen machen, ebenfalls antragsberechtigt. Hier stellt sich die Frage, ob auch Unternehmen erfasst werden, die nicht direkt betroffene Kunden haben, sondern Leistungen direkt betroffener Unternehmen vermarkten, wie etwa Reiseveranstalter.

Praxisbeispiel: Kombination beider Förderprogramme kann sinnvoll sein

Eine Kombination aus Überbrückungs- und Wirtschaftshilfe kann wegen der beschränkten Höhe der Überbrückungshilfe und der zeitlichen Beschränkung der Wirtschaftshilfe interessant sein: 

Ein Hotel, das bei der Wirtschaftshilfe zu den „direkt betroffenen Unternehmen“ gehört, kann sich hieraus für den November 75 % der entgangenen Umsätze – max. 1 Million Euro – erstatten lassen. Beantragt es zugleich Überbrückungshilfe, kann es sich für den Zeitraum September bis Dezember monatlich max. 50.000 Euro, also insgesamt max. 200.000 Euro, erstatten lassen. Zwar würde der Betrag aus der Überbrückungshilfe für den Monat November in Höhe von max. 50.000 Euro den Betrag aus der Wirtschaftshilfe entsprechend mindern, jedoch bleiben so für den Monat November weiterhin max. 1 Million Euro Gesamterstattungen möglich. Zusätzlich ergeben sich für die Monate September, Oktober und Dezember 2020 jeweils noch max. 50.000 Euro aus der Überbrückungshilfe. Damit liegt der Gesamtförderbetrag aus beiden Instrumenten bei insgesamt max. 1,15 Millionen Euro, während er bei Beantragung lediglich eines Programms max. 200.000 Euro (Überbrückungshilfe) bzw. max. 1 Million EUR (Wirtschaftshilfe) betragen würde.

Bei Rückfragen zur Kombination von „Überbrückungshilfe II“ und der neuen „Außerordentlichen Wirtschaftshilfe“ sprechen Sie gerne mich oder meinen Co-Autoren Robin Rademacher an. 
 

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