Studie: HGB-Jahresabschlüsse entsprechen oftmals noch nicht neuen Vorschriften

|  2014

Baker Tilly Roelfs hat in einer gemeinsamen Studie mit Prof. Dr. Isabel von Keitz von der Fachhochschule Münster ausgewählte Anhangangaben von 108 deutschen, mittelständischen Unternehmen nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) untersucht.

Düsseldorf, 30. Januar 2014 – Eine empirische Analyse von 108 HGB-Jahresabschlüssen, die von Baker Tilly Roelfs gemeinsam mit Prof. Dr. Isabel von Keitz von der FH Münster durchgeführt wurde, offenbart bei zahlreichen Unternehmen noch weitreichendes Verbesserungspotenzial. Untersucht wurde dabei die konkrete Umsetzung der nach dem Bilanzrechtsmodernisierungsgesetz (BilMoG) neu definierten Anhangangaben. Mängel und damit entsprechendes Verbesserungspotenzial zeigten sich vor allem durch unübersichtliche Darstellungen, unvollständige und unklare Aussagen. Vereinzelt wurden sogar verpflichtende Angaben trotz offenkundiger Relevanz schlichtweg nicht gemacht.

Gleichzeitig konnten die Studienautoren jedoch auch einer ganze Reihe von HGB-Jahresabschlüssen in puncto Gestaltung und Detaillierungsgrad Bestnoten ausstellen. Diese wurden für eine entsprechende Praxisempfehlung in Form von „Best Practices“ für die verschiedenen Angabepflichten in der Studie zusammengestellt. Die weitverbreitete Annahme, dass die Angaben kapitalmarktorientierter Unternehmen im Vergleich zu den Angaben nicht-kapitalmarktorientierter Unternehmen durchweg vollständiger, detaillierter und übersichtlicher sind, konnte im Rahmen der Untersuchung nicht systematisch bestätigt werden. Die Studie kann von HGB-Anwendern und von Hochschulen kostenlos bei Baker Tilly Roelfs angefordert werden.

Mit dem Erlass des Bilanzrechtsmodernisierungsgesetzes (BilMoG) im Mai 2009 wurden die handelsrechtlichen Bilanzierungsvorschriften umfassend reformiert. Die geänderten HGB-Vorschriften waren spätestens für die Jahresabschlüsse 2010 bzw. 2010/2011 anzuwenden. Dabei wurden zur Stärkung der Informationsfunktion des HGB-Abschlusses auch die Angabepflichten weitreichend geändert und erweitert. „Die im HGB vielfach recht abstrakten Regelungen zu den Anhangangaben stellen die Unternehmen vor die Frage, in welcher Art und Weise sie vor allem in Form oder Detaillierungsgrad diese neuen bzw. ergänzenden Angaben im Anhang machen müssen“, erklärt Thomas Gloth, Partner, Steuerberater und Wirtschaftsprüfer bei Baker Tilly Roelfs. Vor diesem Hintergrund wurden für die Studie die praktische Umsetzung der neuen Angabepflichten analysiert und dazu die HGB-Jahresabschlüsse 2011 von 54 kapitalmarktorientierten Unternehmen und 54 nicht-kapitalmarktorientierten Unternehmen untersucht. „Zum Teil sind wir dabei auf durchaus ernüchternde Darstellungen gestoßen mit unvollständigen, unübersichtlichen oder unklaren Aussagen“, so Gloth: „Demgegenüber stehen natürlich auch sehr viele Unternehmen, bei denen die Angaben insgesamt vollständig, hinreichend konkret und übersichtlich gemacht wurden. Diese haben wir als ‚Best Practice‘-Beispiele in unserer Studie zusammengefasst. Ich bin mir sicher, dass diese für alle HGB-Anwender in Zukunft bei der Erstellung ihrer Abschlüsse sehr hilfreich sein können.“

Umfang, Art und Übersichtlichkeit der HGB-Jahresabschlüsse sehr verschieden

„Wo viel Licht ist, da ist auch viel Schatten“, bringt Prof. Dr. Isabel von Keitz, Professorin für Betriebswirtschaftslehre, insbes. Internationales Rechnungswesen, an der FH Münster das Studienergebnis auf den Punkt: „Am gravierendsten war dabei, dass vereinzelt verpflichtende Angaben, zum Teil auch trotz erkennbarer Relevanz, schlichtweg nicht gemacht wurden. Andererseits haben wir jedoch auch Angaben gefunden, die sogar über die Mindestanforderungen hinausgehen.“

Auch wenn das HGB keine Vorschrift zum Aufbau eines Anhangs vorsieht, ist es bereits seit Jahren bewährte Praxis vieler Unternehmen, den Anhang nach allgemeinen Angaben zum Unternehmen/Abschluss, angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsvorschriften, Erläuterungen der Bilanzposten, Erläuterungen der GuV-Posten und sonstigen Angaben zu gliedern. Ungeachtet dieser einheitlichen Gliederung werden von den Unternehmen die gleichen Angaben zum Teil in unterschiedlichen Abschnitten platziert. Vereinzelt werden auch zusammenhängende Angabepflichten in unterschiedlichen Abschnitten des Anhangs eines Unternehmens gemacht. „Beides erschwert die Lesbarkeit der Abschlüsse natürlich ganz ungemein“, so Prof. von Keitz: „Auch wenn der Gesetzestext häufig recht abstrakt ist, sollten die Angaben doch so konkret und so gut verständlich wie möglich gemacht werden.“

Der Detaillierungsgrad der gemachten Angaben sollte in Anhängigkeit der Wesentlichkeit und Homogenität der zu machenden Angaben gewählt werden. „Wenn quantitative Angaben gemacht werden, sollte immer kenntlich gemacht werden, über welche Wertmaßstäbe berichtet wird. Zudem kann bei quantitativen Angaben eine Darstellung in Tabellenform bzw. Matrixform die Übersichtlichkeit erhöhen“, empfiehlt Prof. von Keitz.

Eine Zusammenfassung der Studie steht hier zum Download bereit,

Die gesamte Studie kann in der Pressestelle von Baker Tilly Roelfs angefordert werden.

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