Neue Heubeck-Richttafeln 2018G

|  BTadvice 03/2019

Anerkennung durch das Bundesministerium der Finanzen

Abstract

Im Juli 2018 wurden die neuen Heubeck-Richttafeln 2018 G veröffentlicht. Sie beinhalten neue Schätzwerte auf Basis von aktualisierten und präzisierten statistischen Daten. Mit dem Schreiben des Bundesfinanzministeriums (BMF) vom 19.10.2018 wurden diese anerkannt und sind demnach aktuell für die Bewertung der Pensionsrückstellungen zugrunde zu legen. Darüber hinaus wurden auch die Vorgaben für den Übergang von der Bewertung mit den Richttafeln (RT) 2005 G auf die Bewertung mit den RT 2018 G festgelegt.

Relevanz

Die bisherigen Richttafeln (RT) 2005 G sind bei der Bewertung von Pensionsverpflichtungen weit verbreitet. Sie werden durch die neuen aktualisierten Richttafeln 2018 G abgelöst. Die Veröffentlichung der neuen Richttafeln betrifft alle Unternehmen, die in ihren Bilanzen Pensionsrückstellungen auf der Grundlage der RT 2005 G bilden. Sie sind praktisch die einzigen Sterbetafeln, die bei einem Großteil der Bewertungen betrieblicher Altersversorgung in Deutschland verwendet werden. Die Aktualisierung hat unmittelbare Auswirkungen auf die Bewertung nach HGB, IFRS und Steuerbilanz. Die neuen Tafeln sind auch bei anderen Verpflichtungen (z. B. Jubiläumsleistungen, Altersteilzeit) anzuwenden.

Inhalt der Änderungen

Auf Grund von anhaltenden demografischen Veränderungen hat sich die festgestellte Sterblichkeit als auch die Invalidisierung seit der Vorversion nachhaltig geändert. Die erhöhte Lebenserwartung (und damit ein Rückgang der Sterblichkeit) werden sowohl in den Trends als auch in der Basistafel berücksichtigt. Im Allgemeinen steigen hierdurch die Kosten der betrieblichen Altersversorgung.

Erstmals wurden auch sozioökonomische Aspekte der Sterblichkeit berücksichtigt. Hierbei wird ein Zusammenhang zwischen Einkommenshöhe und Lebenserwartung hergestellt. So steigt die Lebenserwartung mit zunehmendem Einkommen an. In den neuen Richttafeln findet dies durch einen pauschalen Abschlag auf die Sterbewahrscheinlichkeiten Berücksichtigung.

Größenordnung

Welche Größenordnung der Unterschiedsbetrag annimmt, kann pauschal für einen Versorgungsbestand nur schwer geschätzt werden. Durchschnittlich wird bei steuerlichen Bewertungen vom Herausgeber der Richttafeln eine Erhöhung zwischen 0,8 % und 1,5 % erwartet. Nach handelsrechtlichen und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen ist der Einmaleffekt mit 1,5 % bis 2,5 % deutlich höher.
In unseren eigenen Berechnungen haben sich teilweise eher heterogene Auswirkungen gezeigt. Sie hängen stark von der konkreten Bestandszusammensetzung (Alter, Geschlecht, Status), der Art der Zusage, dem Bewertungsverfahren und weiteren Bewertungsparametern (z. B. Rechnungszins, Trends und Pensionierungsalter) ab.

Auswirkung HGB und IFRS

Für den Jahresabschluss nach HGB und IFRS sind die neuen Tafeln gegenüber den alten Tafeln grundsätzlich sofort anzuwenden. Nach Auffassung des IDW sind die neuen Richttafeln für Jahres- und Konzernabschlüsse anzuwenden, sobald sie allgemein anerkannt sind und bessere Schätzwerte darstellen als die bislang von den Unternehmen zugrunde gelegten Tabellenwerke. Dabei stellt die Anerkennung durch das BMF für ertragsteuerliche Zwecke einen Indikator für die allgemeine Anerkennung der neuen Richttafeln dar, was mit dem BMF-Schreiben vom 19.10.2018 gegeben ist.

Eine Verteilung des Unterschiedsbetrages wird nach handelsrechtlichen und internationalen Rechnungslegungsgrundsätzen nicht möglich sein.

Im HGB-Abschluss sind die Auswirkungen in der GuV als Aufwendungen für Altersversorgung (im Personalaufwand) oder in Einzelfällen im sonstigen betrieblichen Ertrag zu berücksichtigen. Unter Umständen ist der Effekt in den (Konzern-) Anhangangaben aufzuführen. In diesem Fall wären auch nach HGB Vergleichsberechnungen erforderlich. 

Im IFRS-Abschluss wird die Rückstellungsveränderung als Effekt aus der Änderung demografischer Annahmen erfasst; daher ist in jedem Fall eine Vergleichsberechnung mit den alten Tafeln erforderlich. Die sich bei erstmaliger Anwendung der neuen Richttafeln infolge der Änderung von versicherungsmathematischen Annahmen ergebenden Gewinne oder Verluste sind im sonstigen Ergebnis zu erfassen.

Nach IAS 19.141(c)(ii) sind versicherungsmathematische Gewinne und Verluste, die aus Veränderungen bei den demografischen Annahmen entstehen, separat in der Überleitung der Eröffnungs- auf die Schlusssalden der Nettoschuld aus leistungsorientierten Versorgungsplänen anzugeben.

Auswirkung StB

Mit dem Schreiben des BMF vom 19.10.2018 wurden die Richttafeln 2018 G anerkannt; sie sind damit aktuell für die steuerliche Bewertung der Pensionsrückstellungen zugrunde zu legen. Das Schreiben regelt auch die Festlegung der Vorgaben für den Übergang von der Bewertung mit den RT 2005 G auf die Bewertung mit den RT 2018 G.

Der Übergang auf die neuen Richttafeln hat nach dem Schreiben des BMF für alle Pensionsverpflichtungen und alle sonstigen versicherungsmathematisch zu bewertenden Bilanzposten des Unternehmens einheitlich zu erfolgen. Die RT 2018 G sind erstmals am Ende des Wirtschaftsjahres, das nach dem 20. Juli 2018 (das Datum der Erstveröffentlichung) endet, zugrunde gelegt worden.

Der Unterschiedsbetrag zwischen der Pensionsrückstellung mit den RT 2018 G und RT 2005 G ist auf mindestens drei Wirtschaftsjahre gleichmäßig verteilt der jeweiligen Pensionsrückstellung zuzuführen. Die gleichmäßige Verteilung ist sowohl bei positiven als auch bei negativen Unterschiedsbeträgen erforderlich. Die Verteilung gilt auch für Versorgungszusagen, die erst im Jahr vor Erstanwendung der neuen Richttafeln erteilt wurden. 

Die Grundsätze des Schreibens gelten für andere Verpflichtungen, die nach den Grundsätzen des § 6a EStG zu bewerten sind (z. B. Vorruhestandsleistungen), entsprechend.

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