„Egal ob Barack Obama oder Baker Tilly Roelfs: Rudern geht halt manchmal vor“

Erstellt von Baker Tilly | |  News

Außenhebel, Dollenstift, Stemmbrett, Schlagzahl und Ruderblatt: Das ist die Welt von Katrin Reinert – zumindest dann, wenn sie nicht gerade ihrem Wirtschaftsstudium nachgeht oder als studentische Mitarbeiterin bei Baker Tilly Roelfs in Dortmund arbeitet. Die 27jährige ist Ruderin und hat Deutschland bereits bei einigen Welt- und Europameisterschaften und bei den Olympischen Spielen 2008 in Peking im Team Frauenachter vertreten. Ihr großes sportliches Ziel ist die Olympiateilnahme 2016 in Rio de Janeiro. Für unseren Baker Tilly Roelfs Blog stand Katrin Rede und Antwort.

 

 

Hallo Katrin. Schön, dass Du Dir die Zeit für unser Gespräch nimmst. Olympiateilnehmer haben wir ja nun nicht so viele bei Baker Tilly Roelfs. Fangen wir mal mit deinen Aufgaben bei uns an. Wie genau sehen die aus?

Katrin Reinert: Ich arbeite neben dem Studium seit dem März diesen Jahres als studentische Mitarbeiterin bei Baker Tilly Roelfs in Dortmund. An zwei Tagen in der Woche darf ich die Kollegen aus der Wirtschaftsprüfung bei kleinen und größeren Aufgaben unterstützen. Dabei finde ich es spannend, einen Einblick in die Wirtschaftswelt zu bekommen, zu verstehen wie Unternehmen funktionieren – mit all ihren komplexen Strukturen und Zusammenhängen. Es ist toll, mit unterschiedlichen Kollegen zusammenzuarbeiten, und dadurch Einblicke in verschiedene Bereiche und Projekte zu bekommen – nicht nur Prüfungsprojekte.


Studium, Baker Tilly Roelfs und Rudern. Wie kriegt man das alles unter einen Hut?

Katrin Reinert: Ganz ehrlich: Das frage ich mich manchmal auch (lacht). Wir haben in der Regel ca. 14 Trainingseinheiten pro Woche. Davon verbringen wir ungefähr zwei Drittel auf dem Wasser. Die anderen Einheiten umfassen Krafttraining oder alternatives Ausdauertraining wie Laufen, Radfahren oder Schwimmen. An zwei Tagen in der Woche trainieren wir nur einmal. Ich trainiere an diesen Tagen dann morgens früh um 7.30 Uhr, damit ich um 10 Uhr im Büro sein kann. Damit ist meine Woche ziemlich vollgepackt, aber der ständige Wechsel zwischen Ruderboot und Schreibtisch sorgt für genügend Abwechslung und Erholung für Geist und Körper. Ich bin sehr dankbar, dass ich bei Baker Tilly Roelfs die Möglichkeit habe, sowohl meine sportlichen Ziele zu verfolgen, als auch mein im Studium erarbeitetes Wissen zur Anwendung bringen zu können und wertvolle Berufserfahrungen zu sammeln.

Dann sind Deine Tage ja immer komplett durchgetaktet?

Katrin Reinert: Neben Training und Arbeiten bleibt dann leider nicht mehr viel Zeit für andere Dinge. Die wenigen freien Stunden nutze ich, um Zeit mit Freunden und Familie zu verbringen - das ist mir sehr wichtig. Aber es ist perfekt, dass Baker Tilly Roelfs eine Niederlassung in der Dortmunder Innenstadt hat. So bleibt nicht so viel Zeit auf der Strecke zwischen Trainingszentrum, Büro und Wohnung. Mein Job ist natürlich nur möglich, weil mir hier sehr viel Flexibilität gewährt wird. Das ist wirklich toll – und auch nie ein Problem: alle wissen Bescheid und ich plane immer auf die Minute genau, wann ich da bin und wann nicht.

Bleibt denn überhaupt auch mal Zeit für Urlaub?

Katrin Reinert: Wenn ich richtig frei habe, bin ich gerne in den Bergen – im Winter zum Skifahren, im Sommer zum Wandern, Klettern oder Mountainbiken. Also alles ohne Wasser (lacht).

Lohnt sich der ganze Aufwand denn?

Katrin Reinert: So richtig stellt sich die Frage für mich gar nicht. Das Rudern mache ich ja auch nicht, um reich zu werden. Da hätte ich mir wohl eine andere Sportart aussuchen müssen. Im Gegensatz zu unseren Fußball-Kollegen springen bei uns maximal ein paar Hundert Euro im Monat raus, wenn‘s gut läuft. Für mich machen die Leidenschaft, der Teamgedanke, und die Freude am Sport den Reiz am Rudern aus. Die Erlebnisse und Emotionen beim Hochleistungssportsind nicht mit Geld aufzuwiegen. Unvergessliche Momente bleiben ein Leben lang. Enttäuschungen gehören auch dazu – auch sie prägen und machen stärker.

Was ist der besondere Reiz am Rudern?

Katrin Reinert: Der Reiz am Rudern ist vor allem Teil eines Teams zu sein, gemeinsam im Training und Wettkampf alles zu geben und für das gemeinsame Ziel zu kämpfen. Das gute Gefühl, wenn man spürt, dass sich die harte Arbeit gelohnt hat, die Mannschaft harmoniert und das Boot mit hoher Geschwindigkeit über das Wasser gleitet. Im Grunde genommen ist das ja auch eine gute Vorbereitung für meinen späteren Job. Da wird es ja auch auf Teamwork und das Erreichen gemeinsamer Ziele ankommen. Das kann ich ja auch heute schon bei Baker Tilly Roelfs anwenden.

Was ist dein nächstes großes sportliches Ziel?

Katrin Reinert: Mein Ziel ist, mein sportliches Potential nochmal voll auszuschöpfen und nächstes Jahr in Rio im Achter für Deutschland zu rudern!

Dafür drücken wir ganz fest die Daumen. Wie sieht denn der Weg dorthin für Dich aus?

Katrin Reinert: Nach den Deutschen Meisterschaften vor einigen Wochen fängt nun die Mannschaftsbildung an. Auf Basis der Ergebnisse der Deutschen Meisterschaften, der individuellen physischen Leistungsfähigkeit und der Mannschaftsfähigkeit, wird unser Bundestrainer in den nächsten Wochen versuchen, den schnellstmöglichen Achter zusammenzusetzen. Dafür steht ihm ein Pool von etwa 20 Sportlerinnen (= das „Team Frauenachter“) zur Verfügung, für den ich mich bereits qualifiziert habe. Auf verschiedenen nationalen und internationalen Wettkämpfen wird der Bundestrainer verschiedene Achterkombinationen ausprobieren, um mit der schlagkräftigsten Kombination bei der WM in Aiguebelette, Frankreich, Anfang September an den Start zu gehen.

Die WM als Zwischenstation zu Olympia?

Katrin Reinert: Ja, genau. Die WM ist dieses Jahr extrem wichtig für uns, weil hier der Achter für Olympia qualifiziert werden muss, um überhaupt einen deutschen Achter in Rio am Start zu haben. Das ist alles andere als eine leichte Aufgabe, da die internationale Konkurrenz sehr stark ist. Mein Ziel ist es, es im ersten Schritt in den Achter zu schaffen, um dann im zweiten Schritt gemeinsam dieses Jahr für die Olympia-Quali zu kämpfen. Der dritte Schritt wäre dann, nächstes Jahr wieder den Sprung in den Achter zu schaffen, um tatsächlich in Rio dabei zu sein. Große Aufgaben und ambitionierte Ziele stehen vor uns als Team Frauenachter!

Noch eine letzte Frage. Da gibt es von Dir diese Geschichte, dass Du Barack Obama einen Korb gegeben hast. Was ist denn da dran?

Katrin Reinert: (Lacht) Tja, das stimmt in der Tat. Im Rahmen meines einjährigen Studienaufenthalts in den USA wurde ich tatsächlich von Barack Obama zu einem Empfang ins Weiße Haus eingeladen als USA National Champion mit der Rudermannschaft der University of Virginia. Ich konnte die Einladung jedoch leider nicht annehmen, da wir in der WM-Vorbereitung waren. Da muss man halt Prioritäten setzen – und da ist egal ob Barack Obama oder Baker Tilly Roelfs etwas wollen: Rudern geht halt manchmal vor.

Liebe Katrin. Vielen Dank für das Gespräch. Wir wünschen Dir für die WM alles Gute und hoffentlich auch gleich für die Olympiade. Gib uns ab und an mal Bescheid, wie es so läuft.

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