Die Going Concern Prämisse – notwendige Angaben im Jahresabschluss.

Erstellt von Oliver Pegelow | |  BTadvice 2019-Q3

Das Thema „Fortführung der Unternehmenstätigkeit“ erscheint zunächst etwas sperrig, hat jedoch in der Praxis enorme Relevanz. Bei der Bewertung der im Jahresabschluss ausgewiesenen Vermögensgegenstände und Schulden gilt insbesondere Folgendes:

Bei der Bewertung ist von der Fortführung der Unternehmenstätigkeit auszugehen, sofern dem nicht tatsächliche oder rechtliche Gegebenheiten entgegenstehen

IDW PS 270 n.F. Beurteilung der Fortführung der Unternehmenstätigkeit (hier: Tz.9)

Besteht eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten, die einzeln oder insgesamt bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können, und werden diese nicht spätestens bis zum Zeitpunkt der Beendigung der (Erstellung) Aufstellung des Abschlusses ausgeräumt, müssen die gesetzlichen Vertreter im Abschluss

a)    die wichtigsten Ereignisse oder Gegebenheiten, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können, und die Pläne der gesetzlichen Vertreter zum Umgang mit diesen Ereignissen oder Gegebenheiten angeben und

Beispiel

Die Gesellschaft hat in den zurückliegenden Geschäftsjahren aufgrund noch nicht in ausreichender Höhe erzielter Umsatzerlöse und ungünstiger Kostenstrukturen Verluste erwirtschaftet. Mit dem Aufbau weiterer Geschäftsfelder und der Optimierung von Kostenstrukturen und Prozessen sollen sowohl Umsatzsteigerungen, als auch Kostensenkungen zu nachhaltigen Gewinnen führen und damit der Verlustvortrag in den zukünftigen Geschäftsjahren sukzessiv abgebaut werden.

b)    eindeutig angeben, dass eine wesentliche Unsicherheit im Zusammenhang mit Ereignissen oder Gegebenheiten besteht, die bedeutsame Zweifel an der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit aufwerfen können, und das Unternehmen daher möglicherweise nicht in der Lage ist, im gewöhnlichen Geschäftsverlauf seine Vermögenswerte zu realisieren sowie seine Schulden zu begleichen.

Beispiel

Hinsichtlich der Fähigkeit des Unternehmens zur Fortführung der Unternehmenstätigkeit besteht eine (wesentliche) Unsicherheit (bestandsgefährdendes Risiko). Die Gesellschaft ist zum 31. Dezember 2018 in Höhe von TEUR xxx bilanziell überschuldet. Es besteht jedoch keine insolvenzrechtliche Überschuldung und damit keine Insolvenzantragspflicht, weil die Gesellschafter geeignete Rangrücktrittserklärungen bis zur Gesamthöhe von TEUR xxx abgegeben haben.

In der Regel erfolgen diese Angaben im Anhang. Im Falle eines HGB-Abschlusses, der nach Rechnungslegungsgrundsätzen zur Ordnungsmäßigkeit aufgestellt wird, d. h. bei Kleinst-(kapital-)gesellschaften, können bzw. müssen diese Ausführungen an anderer geeigneter Stelle erfolgen, bspw. unter der Bilanz.

Werden diese Angaben im Lagebericht gemacht, muss im Abschluss (Anhang) unter eindeutiger Bezugnahme auf das Vorliegen einer wesentlichen Unsicherheit (bestandsgefährdendes Risiko) ein entsprechender Verweis auf diese Angaben enthalten sein.
 

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