Der Einfluss der Corona-Pandemie auf die Eigenkapital-Verzinsung von Strom- und Gasnetzbetreibern

Erstellt von Nina Richter | |  Corona

Um der Regulierungssystematik gerecht zu werden, den Wettbewerb im regulierten Bereich zu erhalten und den Netzbetreibern eine marktadäquate Verzinsung für ihr eingesetztes Kapital zu gewähren, kommt der Bundesnetzagentur eine herausfordernde Aufgabe zu. So ermittelt die Bundesnetzagentur für jede Regulierungsperiode die Höhe der Eigenkapitalzinssätze, welche den für die Netzbetreiber zugestandenen Gewinn bestimmen, neu.

Anhand der bisherigen Berechnungssystematik lässt sich prognostizieren, dass für die 4. Regulierungsperiode mit einer erheblichen Reduktion der Eigenkapital-Verzinsung zu rechnen ist. Dies liegt in den historisch niedrigen Basiszinsen und der Stagnation der Risikoprämie begründet.

Die dargestellte prognostizierte Entwicklung des Basiszinssatzes, welcher sich mittels der Umlaufrenditen inländischer Inhaberschuldverschreibungen ermittelt, verdeutlicht das konstante Absinken der letzten Jahre. Zur Anwendung für die Ermittlung der EK I Zinssätze kommt der 10-Jahres-Durchschnitts-Basiszins. Die Anwendung und Berechnungsmethodik für den Basiszins ist in § 7 Abs.4 Strom/GasNEV festgeschrieben.

Ein weiterer entscheidender Faktor für die Ermittlung des EK I Zinssatzes stellt die Marktrisikoprämie dar; für die MRP ist in der Strom/GasNEV ein Rahmen vorgegeben (§ 7 Abs. 4 Satz 1 i.V.m. § 4 Abs.5), jedoch besteht bei der Herleitung aus den Kapitalmarktdaten ein gewisser Spielraum. 

Unter Anwendung des gefallenen Basiszinssatzes und Beibehaltung der in der dritten Regulierungsperiode angewandten Parameter zur Bestimmung der EK Zinssätze ergibt sich für die 4. Regulierungsperiode ein Eigenkapitalzins für Neuanlagen von 4,8 %, Altanlagen würden nur noch mit 3,01 % verzinst werden. Für die Netzbetreiber bedeutet dies ein durchschnittliche Absenkung der Rendite um 53 % seit Beginn der Regulierung.

Herleitung
EK-Zins


2. Regulierungsperiode


3. Regulierungsperiode

Szenario
4. Regulierungsperiode

Basiszins

3,80 %

2,49 %

0,77 %

Marktrisikoprämie

4,55 %

3,80 %

3,80 %

ß-Faktor

0,79

0,83

0,83

Wagniszuschlag

3,59 %

3,15 %

3,15 %

Zwischenergebnis:
EK-Zins nach Steuern

7,39 %

5,64 %

4,00 %

Steuerfaktor

1,224

1,225

1,225

EK-Zins (nominal)

9,05 %

6,91 %

4,80 %

Inflation*

1,56 %

1,46 %

1,46 %

EK-Zins (real)

7,14 %

5,12 %

3,01 %

 

Für die 5. Regulierungsperiode kann keine fundierte Aussage hinsichtlich der genauen Zinssatzentwicklung getroffen werden, jedoch ist bereits jetzt abzusehen, dass durch die weiterhin negative Entwicklung der Kapitalmarktzinsen und die noch nicht absehbaren Effekte der Corona-Pandemie auf die Zinsentwicklung, mit weiterhin stagnierenden EK Zinssätzen zu rechnen ist. 

Diese Entwicklung legt nahe, dass eine erneute Diskussion über die Marktrisikoprämie geführt werden muss. Der Fachausschuss für Unternehmensbewertung und Betriebswirtschaft (FAUB) hat bereits im März dieses Jahres in einem fachlichen Hinweis auf das Ausmaß und die Dauer der negativen Effekte der Corona-Pandemie hingewiesen und ihre Empfehlung zur Anwendung einer Marktrisikoprämie bei der Unternehmensbewertung von 6% bis 8% ausgesprochen (siehe hierzu „Auswirkungen der Ausbreitung des Coronavirus auf Unternehmensbewertungen" vom 25.03.2020)

Im Ergebnis stehen dem umfangreichen Investitionsbedarf relativ niedrige Anreize entgegen. Schon heute können operative Unterdeckungen nicht mehr hinreichend durch die Netzbetreiberrenditen gedeckt werden. Sollten diese absolut noch niedriger ausfallen, drohen Unterdeckungen und notwendigen Investitionen werden verschoben.

Unsere Empfehlung:

Aufgrund der sinkenden EK-Verzinsung müssen sich die Stadtwerke zukünftig auf eine deutlich sinkende Rendite einstellen und sich schon heute damit auseinandersetzen, wie die Unternehmensstrategie in Zukunft aussehen könnte bzw. welche möglichen Maßnahmen frühzeitig umgesetzt werden können, um diesem Trend entgegenzusteuern. In diesem Zusammenhang ist es unerlässlich diese Entwicklungen und die Auswirkungen auf künftige Ausschüttungen möglichst frühzeitig gegenüber den Gesellschaftern und anderen Stakeholdern zu kommunizieren. 

Eine sinkende Rendite hat zudem zur Folge, dass bisherige Unterdeckungen durch die in der Regel defizitären Sparten Breitband, Bäder und Verkehr nicht mehr durch eine hohe Marge der Strom- und Gasnetze gedeckt werden können und somit zu größeren Defiziten im Gesamthaushalt führt. Dies könnte auch die Motivation für den zukünftigen Ausbau von Smart-Grid oder das Vorantreiben der Energiewende abnehmen lassen und somit langfristig zu einem Innovationsdefizit bei den Stadtwerken beitragen.

Daher ist es elementar, die langfristige Planung der Strom- und Gasnetzbetreiber der aktuellen Situation anzupassen und notwendige Maßnahmen zu identifizieren, zu kommunizieren und in die Wege zu leiten. Hierzu sollten mittels eines umfangreichen Netzcontrollings die langfristigen Maßnahmen und Steuerungselemente analysiert werden, um die strategische Planung der aktuellen Entwicklung anpassen zu können. Eine regelmäßige Überprüfung der Zielerreichung und die flexible Anpassung der sich ändernden Prämissen ist in diesen Zeiten unumgänglich. 

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