Bewertungsaspekte aus der Energiewende – hier: Investitionen von Industrieunternehmen in Photovoltaikanlagen

Erstellt von Sylvia Fischer | |  BTadvice 2019-Q2

Die Energiewende in Deutschland wird seit Jahren durch Fördermaßnahmen, unter anderem für Photovoltaikanlagen, vorangetrieben. Trotz stetig sinkender Einspeisevergütungen wurde das jährliche Zubauziel der Bundesregierung für 2018 mit einer Nennleistung von 2,81 GW aus PV-Kraftwerken erreicht.

Mit dem im April 2000 in Kraft getretenen Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) begann u. a. die Förderung von Solarenergie bzw. Photovoltaikanlagen. Das EEG unterlag regelmäßig einer prospektiven Anpassung an neue Marktentwicklungen. Zuletzt wurde am 14. Dezember 2018 im Bundesrat das „Energiesammelgesetz“ gebilligt, das zu wesentlichen Änderungen am Kraft-Wärme-Kopplungsgesetz (KWKG) sowie am EEG mit Wirkung zum 1. Januar 2019 führte.

Unter Photovoltaik versteht man die direkte Umwandlung von Sonnenlicht in Energie. Der erzeugte Strom kann zur Einspeisung ins Netz oder zum Eigenverbrauch verwendet werden. Durch die in den Regularien garantierte Stromabnahme zu einem festen Preis über eine fixierte Laufzeit von 20 Jahren war und ist ein wirtschaftlicher Betrieb mit Gewinn möglich, auch wenn die Einspeisevergütung bzw. die Preisbildung in der Direktvermarktung in den letzten Jahren sukzessive reduziert wurde. Solarparks wurden somit für viele Investoren eine attraktive Anlage, sodass Fonds und gewerbliche Unternehmen in die Errichtung von Solarparks einstiegen. Darüber hinaus sind auch im privaten Bereich Investitionen in die Installation einer PV-Anlage auf dem Hausdach lohnend, ebenso ist für Unternehmen die gewerbliche Nutzung von Dachanlagen oder Anlagen auf Freiflächen attraktiv.

PV-Anlagen können aktuell einen Vergütungssatz gemäß den Gesetzesbestimmungen oder gemäß einem Ausschreibungsverfahren erhalten. Für Anlagen über 750 kWp ist eine Teilnahme am Ausschreibungsverfahren inzwischen Pflicht.

Für Unternehmen, die ungenutzte Dachflächen oder sonstige Freiflächen verfügbar haben, ist zunächst zu prüfen, ob die Flächen für die Installation von PV-Anlagen z. B. hinsichtlich der Bauvorschriften für Statik und Brandschutz oder bei Freiflächen vor dem Hintergrund der Vorschriften der Landschaftsordnung geeignet sind. Sollten geeignete Flächen vorhanden sein, sind weitere Wirtschaftlichkeitsüberlegungen bezüglich der verschiedenen Handlungsoptionen bei der Installation von PV-Anlagen anzustellen. Das Ausloten der optimalen Handlungsalternative erfordert die Erstellung einer Planung für die jeweilige Alternative sowie die Bewertung der daraus resultierenden Erträge und Cash-Flows.

Der Bau einer selbst betriebenen Photovoltaikanlage ist der Verpachtung der verfügbaren Flächen an einen Betreiber von Photovoltaikanlagen gegenüberzustellen. Bei der Errichtung einer selbst betriebenen Photovoltaikanlage sollte ein Vergleich hinsichtlich der wirtschaftlich sinnvolleren Variante – d. h. der Einspeisung in das Stromnetz sowie der damit möglichen Erzielung von Erlösen und des Eigenverbrauchs sowie der damit möglichen Ersparnis von Aufwendungen für Energie – erfolgen.

Wesentlich für diese Analysen sind die sogenannten Stromgestehungskosten, die im Wesentlichen bestimmt werden durch:

  • Anschaffungsinvestition (Bau und Installation der Anlagen)
     
  • Finanzierungsbedingungen
     
  • Betriebskosten während der Nutzungszeit (Wartung, Reparatur, Versicherung, Reinigung)
     
  • Lebensdauer und jährliche Degradation der Anlage (Leistungsminderung im Zeitablauf)
     
  • Einstrahlungsangebot

Neben den Stromgestehungskosten sind für eine Bewertung bzw. Investitionsrechnung die Laufzeit einer PV-Anlage sowie die erzielbaren Erlöse relevant.

Die Laufzeit einer PV-Anlage ist auf die technische Nutzungsdauer der Module begrenzt, die je nach Modulvariante laut Herstellerangaben zwischen 20 und 30 Jahren liegt. Die Nutzungsdauer ist somit länger als die Vergütungsperiode von 20 Jahren und erfordert eine Abschätzung der sich daran anschließenden Nutzungsalternativen: Einspeisung mit Preisbildung über Strombörse oder Eigenverbrauch mit entsprechender Kostenersparnis.

Die Preise für PV-Module haben sich in den letzten Jahren deutlich verringert, ein weiteres Absinken der Preise wird erwartet. Die Höhe der Betriebskosten ist abhängig von der Art der PV-Anlage, vom Standort und der Größe und Zugänglichkeit der Anlage. Freiflächen erfordern in der Regel noch Kosten für die Landschaftspflege (z. B. Rasenmähen), Standorte in der Nähe bestimmter Industrien können zu erhöhten Reinigungskosten führen.

Das Einstrahlungsangebot und damit der Output der PV-Anlage lässt sich über einen Abgleich mit der sogenannten Sonnenkarte, aus der die durchschnittliche Sonneneinstrahlung am jeweiligen Standort ablesbar ist, herleiten.
Sollte eine Verpachtung der verfügbaren Flächen an einen PV-Anlagenbetreiber in Betracht kommen, ist über die Höhe der Pacht sowie die Zahlungskonditionen eine Wertung vorzunehmen. Die Pacht kann als fixer monatlicher Betrag in Form einer Einmalpacht vorweg oder als erlösabhängige Pacht vereinbart werden.

Die Abwägung der Handlungsalternativen stellt umfangreiche Anforderungen an die Planung und Bewertung. Erfahrungen aus der Bewertung von Projekten und Gesellschaften des Sektors „Erneuerbare Energien“ erleichtern die Einschätzung der entscheidungsrelevanten Parameter. Hier sollte über eine zeitgerechte Einbeziehung entsprechend sachkundiger Berater und Wirtschaftsprüfer im Vorfeld der Entscheidung nachgedacht werden.
 

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