Arbeitsplatzgarantie für Profifußballer? Bundesliga droht „Bosman 2“

Erstellt von Dr. Alexander Lorenz | |  Arbeitsrecht

Es schlug hohe Wellen in der Welt des Profisports, als im März des vergangenen Jahres eine Entscheidung des Arbeitsgerichts Mainz bekannt wurde. Die Richter verkündeten darin, dass die bisher von allen Profi-Fußballvereinen durchgängig gehandhabte Praxis, nämlich Spielerverträge nur befristet abzuschließen, rechtswidrig sei. Sie stellten fest, dass der klagende (Ersatz-)Torwart Heinz Müller nunmehr unbefristet beim Bundesligisten 1. FSV Mainz 05 angestellt ist (ArbG Mainz v. 19.03.2015, 3 Ca 1197/14).

Das „Rückspiel“ findet am 17. Februar vor dem LAG Rheinland-Pfalz statt. Für den Profifußball steht viel auf dem Spiel, wie einst im Fall Bosman.

Müller, der seit 2009 bei Mainz 05 unter Vertrag stand (steht), verfügte über einen Zwei-Jahres-Vertrag mit Verlängerungsoption, wie er für Fußballprofis üblich ist. Sein Verein lehnte die Verlängerung jedoch aus verschiedenen Gründen ab, wogegen der Torwart Klage erhob.

Es ist allgemein anerkannt, dass es sich bei Profifußballern um Arbeitnehmer handelt. Das Teilzeit- und Befristungsgesetz (TzBfG) sieht insoweit vor, dass ein Arbeitsvertrag maximal für zwei Jahre befristet werden kann, bzw. innerhalb von zwei Jahren maximal drei Verlängerungen möglich sind. Darüber hinaus ist eine längere Befristung nur dann wirksam, wenn hierfür ein sog. Sachgrund vorliegt. Ein solcher Grund kann u. a. die Eigenart der Arbeitsleistung oder ein nur vorübergehender Bedarf sein.

Die Mainzer Richter hatten zu entscheiden, ob ein solcher Sachgrund vorliegt. Sie verneinten diese Frage. Zum einen sei der durch starke kommerzielle Interessen geprägte Spitzensport nicht mit Schauspielern und Unterhaltungskünstlern vergleichbar. Für letztere gelten befristete Verträge wegen der Eigenart der Arbeitsleistung als unproblematisch. Zum anderen könne nicht darauf abgestellt werden, dass ein Fußballspieler sich mit der Zeit „abnutzt“, also nicht dauerhaft Spitzenleistungen erbringen kann. Das sei auch in anderen Branchen der Fall und würde letztlich auf eine Altersdiskriminierung hinauslaufen. Auch die teilweise exorbitanten Gehälter der Profis überzeugten das Gericht nicht. Schließlich könne man sich nicht von der Geltung des Rechts freikaufen.

Das Urteil ist überwiegend auf Skepsis gestoßen. Zu Recht wird auf die unüberschaubaren Folgen für den Profisport hingewiesen, falls diese Rechtsprechung Bestand haben sollte. So lässt sich insbesondere die Befürchtung der Kritiker nicht von der Hand weisen, dass sich in einem solchen Fall recht bald übergroße Kader mit Spielern in nicht mehr konkurrenzfähigem Alter bilden würden. Schließlich würde dann für die Arbeitsverhältnisse auch der allgemeine Kündigungsschutz nach dem strengen Kündigungsschutzgesetz gelten.

Aber nicht nur der Kündigungsschutz könnte zum Problem für die Vereine werden. Es geht auch um Leistungs- und Konkurrenzdruck. Der Schutz durch einen unbefristeten Arbeitsvertrag kann bei Arbeitnehmern durchaus zum Absinken von Leistungsbereitschaft und Engagement führen. Die von der Rechtsprechung aufgestellten Hürden zur Kündigung von Low-Performern geben Arbeitgebern hier wenig Handlungsspielraum. Der Arbeitnehmer schuldet schließlich nur ein „bestmögliches Bemühen“, nicht aber einen konkreten (sportlichen) Erfolg.

Auch ein weiterer Punkt darf nicht übersehen werden: Was sollen die Vereine mit den ganzen Spielern machen, die für Bundesligaeinsätze nicht die notwendige Leistung erbringen, von deren Verträgen man sich aber nicht lösen kann? Schließlich hat ein Arbeitnehmer auch Anspruch darauf, von seinem Arbeitgeber beschäftigt zu werden. Ganz untätig dürfen die Vereine ihre Spieler deshalb nicht links liegen lassen. „Trainingsgruppen“ – wie schon mal in Hoffenheim praktiziert – sind hier eine von vielen kreativen Möglichkeiten.

Das Landesarbeitsgericht Rheinland-Pfalz steht am 17. Februar 2016 vor einer wichtigen Entscheidung.

Mein Praxistipp: Das Thema der Befristung von Arbeitsverträgen ist dauerhaft von Bedeutung, nicht nur im Profifußball. Arbeitgeber, die sich zusätzliche Flexibilität durch befristete Arbeitsverträge sichern wollen, müssen genau aufpassen, dass ihre Personalplanung nicht später von den Gerichten wieder zunichte gemacht wird. Insbesondere, wenn die Höchstbefristungsdauer von zwei Jahren überschritten, oder ein Arbeitsvertrag innerhalb dieser Zeit ein drittes Mal verlängert werden soll, ist es unerlässlich die Befristung anhand eines – objektiv nachprüfbaren – Sachgrundes rechtssicher zu gestalten.

Wo sehen Sie die (vertragliche) Zukunft des Profifußballs? Wir freuen uns auf Ihre Kommentare in unserem Blog.

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