Overlay oder Deferral Approach: IASB veröffentlicht Übergangsvorschriften für die Anwendung von IFRS 9 im Zusammenspiel mit IFRS 4

Mit Veröffentlichung der endgültigen Version des International Reporting Standard 9 (IFRS 9) vom 24. Juli 2014, ergeben sich für kapitalmarktorientierte Unternehmen neue Vorgaben für den Ansatz und die Bewertung von Finanzinstrumenten. Der neue Standard ist mit Festlegung des Erstanwendungszeitpunktes zum 1. Januar 2018 für alle betreffenden Unternehmen verbindlich anzuwenden.

Für Versicherungsunternehmen gilt neben IFRS 9 zusätzlich der seit 2005 verbindliche Standard IFRS 4 mit Richtlinien für die Bilanzierung von Versicherungsverträgen. Aktuell befindet sich das IASB in Diskussionen um den Nachfolge-Standard IFRS 4 Phase II, welcher laut IASB aber nicht vor 2021 endgültig zur Anwendung kommen wird. Vor dem Hintergrund der unterschiedlichen Erstanwendungszeitpunkte von IFRS 9 (Start 2018) und IFRS 4 Phase II (nicht vor 2021) sehen sich Versicherungsunternehmen vor neue  Herausforderungen gestellt. Diese zeigen sich in einem erhöhten Mehraufwand durch die  Erstanwendung zweier neuer IFRS Standards sowie eines weiter bestehenden „Accounting Mismatch“ bis zur Einführung von IFRS 4 Phase II. Dieses Mismatch basiert auf der erfolgswirksamen Bewertung zum Fair Value gemäß IFRS 9 von Finanzinstrumenten und einer daraus resultierenden ungleichen Behandlung von Aktiv-/Passiv – Positionen, die im Ergebnis zu verstärkten Ergebnisschwankungen führen werden.

Mit den am 12. September 2016 veröffentlichten Übergangsvorschriften für die Anwendung von IFRS 4 und IFRS 9, hat das IASB auf die Forderungen der Versicherungsunternehmen reagiert und stellt für die Zeit bis zur Erstanwendung von IFRS 4 Phase II zwei Ansätze zur Verfügung, um die negativen Wirkungen aus unterschiedlichen Anwendungszeitpunkten der beiden Standards zu vermeiden.

Overlay Approach

Für Versicherungsunternehmen ergibt sich die Möglichkeit die Auswirkungen von Wertveränderungen nicht P&L wirksam, sondern im „Other Comprehensive Income (OCI)“ auszuweisen. Durch das Overlay-Adjustment kann somit in der Ergebnisrechnung die P&L um Effekte bereinigt werden, die durch die erfolgswirksame Bewertung von Finanzinstrumenten zum Fair Value gemäß IFRS 9 induziert sind.

Dieser Ansatz ist eine Möglichkeit für alle Unternehmen, die bereits vor oder spätestens zum gesetzten Erstanwendungszeitpunkt (1. Januar 2018) IFRS 9 einführen. Sofern der Ausweis von Wertschwankungen von Finanzinstrumenten im OCI erfolgt, besteht die Verpflichtung die Anpassung in einer separaten Position in der P&L sowie dem OCI offen auszuweisen. Allerdings gilt diese Option auch nur für Wertveränderungen von Finanzinstrumenten, die gem. IFRS 9 nun erstmals (im Vergleich zu IAS 39) zum Fair-Value erfolgswirksam bewertet werden (Fair Value through Profit & Loss; FVTPL).

Deferral Approach

Adressaten dieser Ausnahmeregelungen zum IFRS 9 sind Unternehmen, die zum einen IFRS 9 bis einschließlich der Einführung von IFRS 4 Phase II oder bis maximal dem 1. Januar 2021 nicht anwenden sowie das „predominance“-Kriterium(Versicherungen als Kerngeschäft) erfüllen.

Betreffenden Unternehmen ist es erlaubt die Einführung von IFRS 9 bis zum Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 4 Phase II oder bis maximal zum 1. Januar 2021 aufzuschieben. Dementsprechend gelten weiterhin die Fortführung und Bewertung aller Finanzinstrumente gemäß den Regeln des IAS 39. Außerdem besteht die Verpflichtung zusätzlicher Offenlegungen (Anhang) um den Vergleich zu Unternehmen, die IFRS 9 bereits anwenden zu gewährleisten.

Fazit

Die Übergangsvorschriften können ab sofort angewandt werden. Somit können Versicherungsunternehmen den Erstanwendungszeitpunkt von IFRS 9 nochmals hinauszögern. Alternativ kann die Einführung der neuen Regeln bereits vorgenommen werden, die damit verbundenen Ergebniseffekte durch die striktere Fair Value-Bewertung von Finanzinstrumenten kann aber im Overlay Approach durch eine Umgliederung in der Ergebnisrechnung eliminiert werden.

Im Ergebnis gibt das IASB den Versicherern für die Zeit bis zur Einführung von IFRS 4 Phase II mehr Flexibilität hinsichtlich der Erstanwendung von IFRS 9 und reduziert damit die Risiken einer Verstärkung des „Accounting Mismatch“ in der Zeit bis zum Jahr 2021 bzw. bis zur Anwendung der neuen Regeln des IFRS4 Phase I,I sofern diese vor diesem Zeitpunkt angewandt werden müssen.

Abzuwarten bleibt nun, wie sich die einzelnen Versicherer aufstellen werden. In vielen Häusern sind die Vorbereitungen für die neuen Regeln von IFRS 9 längst gestartet, um den bisher gültigen Erstanwendungszeitpunkt 01.01.2018 einhalten zu können.
Da auch im Deferral Approach zusätzlich Offenlegungspflichten gefordert werden, gehen wir davon aus, dass die internen Vorbereitungen für IFRS 9 weiter vorangetrieben werden. So können die notwendigen Veränderungen im Bereich der Finanzinstrumente abgeschlossen sein, um im Anschluss daran die erwarteten Veränderungen durch die neuen Regelungen von IFRS 4 Phase II umzusetzen. Versicherungsunternehmen werden daher die internen Vorbereitungen für IFRS 9 von der externen Berichtserstattung mit Hilfe des Deferral Approach entkoppeln, um so die Wechselwirkung von IFRS 9 und den neuen Standard zur Bilanzierung von Versicherungsverträgen (zukünftig IFRS 17) zu analysieren.

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