Kreditfonds mit erweitertem Betätigungsfeld: Der geschlossene Spezial-AIF als Darlehensinvestor

Erstellt von Baker Tilly | |  Audit & Advisory

Im Zuge einer weiterhin angespannten Vergabepraxis für Projektfinanzierungen hat sich in den letzten Jahren verstärkt das Geschäftsfeld der Kreditfonds etabliert. Diese bündeln Eigenkapital von institutionellen und privaten Investoren, um diese zum Erwerb von Darlehensforderungen zu verwenden. Zur originären Projektfinanzierung mussten diese sich in der Vergangenheit einer Bank als Fronting-Gesellschaft bedienen, welche die Vergabe und regelmäßig auch das anschließende Darlehens- und Sicherheiten Servicing übernahm. Die Darlehensmittel selbst wurden in diesem „Originate-to-Distribute“-Modell jedoch mittelbar durch den Kreditfonds bereitgestellt, welches die Darlehen von der Fronting-Bank erworben hat.

Neben der Notwendigkeit der Zwischenschaltung einer Bank bestand der Nachteil dieses Modells darin, dass der Kreditfonds wesentliche Parameter der Darlehensbedingungen nicht ändern konnte, ohne damit aufsichtsrechtlich eine Neuvergabe (Novation) des Darlehens zu bewirken, was die Notwendigkeit einer Banklizenz für den Kreditfonds hervorgerufen hätte.

Wie den diversen Mitteilungen in der Presse der letzten Monate entnehmbar, hat die BaFin bereits im Mai letzten Jahres die Zulässigkeit der Darlehensvergabe durch nach KAGB regulierte Kreditfonds unter bestimmten Umständen für zulässig erklärt. Das ab 18. März 2016 in Kraft tretende OGAW-V-Umsetzungsgesetz hat diese aufsichtsrechtlichen Grundsätze nun auf eine fundierte gesetzliche Grundlage gestellt, welche dem Investmentvehikel des geschlossenen Spezial-AIF ein besonderes Privileg zukommen lassen. So ist diesen Investmentvermögen gestattet, sowohl Darlehen an Beteiligungsunternehmen als auch an Dritt-Unternehmen zu vergeben, ohne hierzu eine Banklizenz zu benötigen. Die hierfür anwendbaren Regelungen wurden in der Fassung, die dem Bundesrat zugeleitet wurde, sogar noch leicht erhöht. So ist insbesondere die Möglichkeit der Vergabe von nachrangigen Darlehen durch geschlossene Spezial-AIF erweitert worden.

Die Neuregelung ist auch im Hinblick auf das Regulierungsregime bemerkungswert. So ist es im Bereich des KAGB möglich, statt einer vollständigen, zeit– und kostspieligen Geschäftserlaubnis („Lizenz“) auch eine Registrierung zu beantragen, die deutliche Erleichterungen bei Einhaltung eines maximalen Geschäftsvolumens vorsieht.

Was bedeutet dies für die Finanzierungspraxis? Zunächst ist mit der gesetzlichen Regelung eine zusätzliche Private Debt- Finanzierungsform ermöglicht worden, welche spezialisierte Projektfinanzierungen insbesondere als Nischenfinanzierung im Immobilienbereich mit höherem LTV oder als Finanzierung von europaweiten Immobilienprojekten anbieten können. Hier ist der angelsächsische Markt hervorzuheben, der bereits eine lange Tradition der „Real Estate Debt Funds“ hervorweist, da im dortigen Markt −anders als in Deutschland− sich die Banken nicht mit vergleichsweise günstigen Pfandbriefen refinanzieren können.

Doch auch außerhalb des Immobiliensektors können sich Kreditfonds nicht nur als Ergänzung zur klassischen Bankfinanzierung, sondern auch als zusätzliche Finanzierungsform für bestehende Fondsstrukturen etablieren, was insbesondere durch das gewünschte steuerliche Profil der Anleger motiviert sein kann. Schließlich ist hiermit auch eine Stärkung des hiesigen Fondsstandortes verbunden, der insbesondere im Bereich der institutionellen Fondsanlage im Wettbewerb mit den Standorten Luxemburg, London und Dublin den Anschluss wahrt.