KAGB-Regulierung: vom Hemmschuh zum Mehrwert

Erstellt von Martina Hertwig | |  Audit & Advisory

Die strenge Regulierung, die vor gut drei Jahren in Gestalt des Kapitalanlagegesetzbuches (KAGB) zum Schutz von Privatanlegern verabschiedet wurde, hat sich längst vom Hemmschuh zum Mehrwert gewandelt. KAGB hat die Branche deutlich professionalisiert und einen klaren Mehrwert für Anleger in einem Markt geschaffen, der sich trotz aller Herausforderungen stetig weiter entwickelt. Diese These habe ich in meiner Keynote beim 9. PLATOWFORUM Beteiligungen 2016 in Frankfurt vertreten.

Entsprechend ist auch die Anzahl der zugelassenen geschlossenen Publikums-AIFs – Alternative Investmentfonds – in den vergangenen zwei Jahren beständig weiter gestiegen. Dabei sind Immobilien die Asset-Klasse schlechthin. Mit 64 Prozent machen sie den Hauptteil des Asset-Portfolios geschlossener Publikums-AIFs aus.

Erst das KAGB hat für eine einheitliche Regulierung mit sinnvollen Kontrollinstanzen sowie für wichtige Markteintrittsbarrieren bei der Zulassung von Kapitalverwaltungsgesellschaften (KVG) gesorgt. Die Anlaufschwierigkeiten sind längst überwunden. Vieles hat sich eingespielt und wurde erfolgreich angepasst. So wurden etwa Ungenauigkeiten durch Korrekturgesetze beseitigt, Auslegungsfragen durch die BaFin und die zuständigen Verbände geklärt sowie die Verfahren der Zulassungs-und Produktgenehmigungen zügiger gestaltet.

Die strenge Regulierung darf aus der „Formel“ für die anhaltende Produktflaute zwar nicht rausgerechnet werden, birgt sie doch höhere Kosten als ursprünglich vom Finanzministerium prognostiziert. Doch der Grund für die Schwäche ist weniger im KAGB zu suchen, vielmehr in fehlenden innovativen Produkten und einem professionellen Vertrieb. An der Regulierung selbst lässt sich nicht rütteln.

Ich bin der Meinung: künftig wird es sogar noch mehr Regulatorik geben. Auch ist in der Regulierung längst nicht alles geglückt. Während das KAGB gelungen sei, stehe ich der PRIIPs-Verordnung sehr kritisch gegenüber. Durch PRIIPs sollen ab 2017 alle verpackten Anlageprodukte in der EU vergleichbar gemacht werden. Nur sei das Prinzip „one fits all“ in der Praxis kaum umsetzbar. Zu breit und unterschiedlich sei der Anwendungsbereich einzelner Anlageformen. Ob beim PRIIPs überhaupt schon das letzte Wort gesprochen ist, bezweifele ich allerdings.