DRSC veröffentlicht zwei neue Entwürfe zu Rechnungslegungsstandards

„E-DRS 30 Kapitalkonsolidierung“ soll nach momentanem Stand für Geschäftsjahre nach dem 31.12.2015 anzuwenden sein und den derzeit geltenden „DRS 4 Unternehmenserwerbe im Konzernabschluss“ ablösen. Der vorgestellte Entwurf verfolgt die Intention die gesetzlichen Regelungen zur Kapitalkonsolidierung gem. §§ 301, 307 und 309 HGB zu konkretisieren. Der Fokus liegt dabei auf folgenden Themen:

  • Den Auswirkungen von Kaufpreisanpassungsklauseln auf die Anschaffungskosten der Anteile
  • Regelungen zum Ansatz von Vermögensgegenständen und Schulden im Rahmen der Neubewertungsmethode
  • Der Behandlung von technischen passiven Unterschiedsbeträgen, d. h. Unterschiedsbeträgen, die aus der Konsolidierungstechnik resultieren
  • Der Bilanzierung des Geschäfts- oder Firmenwerts im Konzernabschluss
  • Diversen Anwendungsfragen im Rahmen der Erst-, Folge-, Ent- und Übergangskonsolidierung, u.a. hier auch der Behandlung von Auf- oder Abstockungen von Anteilen

Explizit zur Diskussion gestellte Neuregelungen existieren dabei unter anderem in folgenden Bereichen:

  • Bei Auseinanderfallen der Kapitalbeteiligung und dem Anteil an den laufenden Ergebnissen sowie am Liquidationserlös (wirtschaftliche Beteiligung) soll das zu konsolidierende Eigenkapital anhand der wirtschaftlichen Beteiligungsquote zu ermitteln sein. Der Ausweis des konsolidierten Eigenkapitals würde somit in diesen Fällen nicht mehr identisch mit dem Kapitalanteil sein.
  • Es wird eine Ansatzpflicht eingeführt für bilanzunwirksame Geschäfte des erworbenen Unternehmens, sofern deren verlässliche Bewertung vorliegt. Diese Regelung führt in der derzeitigen Ausgestaltung zu einer wesentlichen Komplexitätserhöhung und erheblichen Mehraufwand im Rahmen des Konsolidierungsprozesses. Als entscheidender Vorteil wird jedoch die aus der Ansatzpflicht entstehende transparente Umsetzung der Einzelerwerbsfiktion („der erworbenen Risikoposition“) gesehen.
  • Besteht ein erworbenes Tochterunternehmen aus mehreren Geschäftsfeldern, so soll ein im Rahmen der Erstkonsolidierung entstandener Geschäfts- oder Firmenwert, bzw. passiver Unterschiedsbetrag, auf die Geschäftsfelder des erworbenen Tochterunternehmens verteilt werden.

Der momentane Entwurf versucht Klarheit zu schaffen durch die (teilweise sehr detaillierte) Regelung einer Vielzahl von bisher nicht oder zumindest nicht eindeutig geregelten Einzelfragen. Dabei wurden jedoch in zahlreichen Fällen zu konzernspezifischen Sachverhalten Neuinterpretationen der Sachverhalte durchgeführt, welche zu einer wesentlichen Erhöhung der Komplexität des Konsolidierungsvorgangs und somit auch zu einer Erhöhung des Aufwands bei der Konzernbilanzierung führen.

„E-DRS 31 Konzerneigenkapital“ stellt eine Überarbeitung des bereits im Jahr 2014 veröffentlichten „E-DRS 29 Konzerneigenkapital“ dar, welcher nun zur erneuten Stellungnahme herausgegeben wurde. Durch die Einführung wird „DRS 7 Konzerneigenkapital und Konzerngesamtergebnis“ abgelöst werden. Der voraussichtliche Anwendungszeitpunkt des Rechnungslegungsstandards ist bisher noch offen. Der Entwurf geht dabei stärker als der im Jahr 2014 veröffentlichte E-DRS 29 auf die konzernabschlussspezifischen Fragestellungen ein mit folgenden Schwerpunkten:

  • Der Behandlung des Erwerbs und der Veräußerung von Rückbeteiligungen der Tochterunternehmen am Mutterunternehmen.
  • Der Rücklagenverrechnung beim Erwerb eigener Anteile im Konzernabschluss.
  • Diverse Fragestellungen im Zusammenhang mit der Darstellung der Ergebnisverwendung im Konzerneigenkapitalspiegel von Mutterunternehmen in Form einer Personenhandelsgesellschaft.

Hier wurden unter anderem in folgenden Bereichen wesentliche Neuregelungen eingeführt, welche teilweise noch explizit zur Diskussion gestellt sind:

  • Der Entwurf enthält nur noch Begriffe, welche dem Gesetzeswortlaut entsprechen. Dadurch wird beispielsweise das „erwirtschaftete Konzerneigenkapitals“  zukünftig aufgegliedert in „Gewinn/Verlustvortrag“ und „Konzernjahresüberschuss/-fehlbetrag, der dem Mutterunternehmen zuzuordnen ist“. Ebenfalls aufgeteilt wird das „übrige Konzernergebnis“ in die Posten „Währungsumrechnung“ und „sonstige Veränderungen“.
  • Die Darstellung der Entwicklung des Konzerneigenkapitals für Mutterunternehmen in der Form einer Personenhandelsgesellschaft i.S.d. §264a HGB beinhaltet die Klarstellung, dass nur das Ergebnis des Mutterrunternehmens aus seinem Jahresabschluss, nicht aber die Ergebnisse der Tochterunternehmen den Kapitalanteilen und ggf. den Gesellschafterkonten im Fremdkapital zugewiesen werden darf. Etwaige Unterschiedsschiedsbeträge zwischen dem Konzernergebnis und dem Ergebnis laut Jahresabschluss des Mutterunternehmens sollen in die Konzerngewinnrücklagen eingestellt bzw. mit diesen verrechnet werden. Ergibt sich hierbei nach vollständiger Verrechnung noch ein verbleibender Unterschiedsbetrag, so soll dieser in einem gesonderten Posten mit der Bezeichnung „Differenzbetrag für das gegenüber dem Mutterunternehmen niedrigere Konzernergebnis“ ausgewiesen werden.

Insgesamt wurde der momentan geltende „DRS 7 Konzerneigenkapital und Konzerngesamtergebnis“ im Vergleich zum jetzt vorgelegten „E-DRS 31 Konzerneigenkapital“ sehr stark geändert.

Auch im Vergleich zu dem im Jahr 2014 vorgelegten „E-DRS 29 Konzerneigenkapital“ wurden im E-DRS 31 ganze Bereiche völlig neu gefasst oder umfassend geändert. Es bleibt abzuwarten, ob auch zu dieser Fassung des Entwurfs durch die Öffentlichkeit wiederum umfassende Anmerkungen angebracht werden und nochmals diverse Änderungen bis zum bisher noch offen gelassenen Erstanwendungszeitpunkt aufgenommen werden.