FinTechs: Innovation oder Revolution auf dem Gebiet der Unternehmensfinanzierung

Erstellt von Heinrich Thiele | |  Broschueren

Nach Jahren der gelebten Abneigung zwischen FinTechs auf der einen sowie traditionellen Banken und Sparkassen auf der anderen Seite ist inzwischen auf beiden Seiten eine Akzeptanz der jeweils anderen Partei, manchmal auch Ernüchterung, eingezogen. Konkurrenz ist überwiegend durch Kooperation abgelöst worden. Weder können FinTechs den traditionellen Bank- und Finanzsektor verdrängen, noch sind sie eine vorübergehende Erscheinung, die sich aufgrund der Kapitalkraft, Marktmacht oder dem langjährigen Kundenzugang der Banken und Sparkassen bald von selbst erledigt.

Die Reaktionen von Banken und Sparkassen auf die neuen Marktteilnehmer umfassen heute, neben engen Kooperationen in einzelnen Geschäftsfeldern, Unterstützungsprogramme sowie Beteiligungen an und Übernahmen von  FinTechs. Doch auch eigene Entwicklungen als Reaktion auf FinTech-Innovationen und Kopieren von deren erfolgreich erscheinenden Lösungen gehören als Antworten hinzu. Entscheidend für die Akzeptanz der FinTechs war die Erkenntnis, aufgrund der gegebenen Strukturen in überschaubarer Zeit aufschließen zu können und die Absicht, durch neue Angebote im Wettbewerb die Neuen zu verdrängen. Mithilfe der FinTechs lassen sich vor dem Hintergrund der schwachen Ertragslage und fehlender finanzieller Ressourcen, aber auch mangelnden Know-hows und mangelnder Erfahrung, Bankgeschäfte schneller digitalisieren. Nach einer Analyse der Deutschen Bank kooperieren inzwischen 90 Prozent der Kreditinstitute mit einem FinTech.

Die Offenheit von FinTechs zur Kooperation mit der Konkurrenz beruht auf der Überzeugung, dass der Angriff auf etablierte und kapitalstarke Marktteilnehmer teuer und lang werden würde und sie mit der Hürde der letztlich erforderlichen Banklizenz viel von ihrer dynamischen Geschäftsstruktur einbüßen könnten. Sie sehen die Open-Banking- und Multibanking-Perspektiven und -Potenziale der etablierten Finanzinstitute, erhalten Zugang zu deren Kundenbasis und können so schneller wachsen. Außerdem wissen sie um ihre Marktvorteile als dynamische und innovative Akteure, die insbesondere weder durch starre Organisationsformen noch alte IT-Systeme gebremst werden. Trotz hoher Verluste können FinTechs in Finanzierungsrunden Investoren überzeugen und hohe Kapitalbeträge einsammeln. Der Megatrend Digitalisierung und seine Chancen und Potenziale erleichtern zwar die Gewinnung von Kapital für die nächste Entwicklungsstufe der Innovation, doch ist auch unter FinTechs mittlerweile ein intensiver Wettbewerb um Financiers entbrannt. Nachdem in den Anfangsjahren zahlreiche Neugründungen das Erscheinungsbild der neuen Branche prägten, liegt nun der Fokus auf Ausdifferenzierung und Weiterentwicklung der Geschäftsmodelle sowie Expansion in ausländische Märkte.

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