International Tax Survey 2018

Baker Tilly hat multinationale Unternehmen aus 65 Ländern zu ihren BEPS-Vorbereitungen und Reaktionen auf die US Steuerreform befragt.

Zur Bekämpfung von Steuervermeidungspraktiken im Sinne des BEPS-Projekts (kurz für „Base Erosion and Profit Shifting“ bzw. Gewinnverkürzung und Gewinnverlagerung) hatte die EU zuletzt die sogenannten Anti-Tax Avoidance Directives (ATAD I und II, Anti-Missbrauchsrichtlinien) beschlossen, die von den EU-Mitgliedstaaten nun überwiegend bis Ende 2018 in nationales Recht umzusetzen sind. Das "Paket zur Bekämpfung der Steuervermeidung" umfasst nach Aussagen des Rates der Europäischen Union EU-weite Initiativen, mit dem Ziel der Unterbindung aggressiver Steuerplanung sowie der Schaffung von mehr Transparenz und gerechteren Rahmenbedingungen für Unternehmen in der EU. Teilweise sind sogar bereits wesentliche Änderungen in die Gesetze aufgenommen, so ist in Deutschland beispielsweise das Thema Verrechnungspreisdokumentation regulatorisch deutlich angepasst worden.

Download: Baker Tilly 2018 International Tax Survey - Priorities and challenges facing multinationals  >>

Ungeachtet dieser zunehmenden Konkretisierung und auch Umsetzung in die jeweiligen Steuergesetze ist ein Großteil der Unternehmen noch nicht oder zumindest noch nicht umfassend aktiv geworden. So wollen 33 Prozent der befragten Unternehmen zunächst noch weitere Regelungen und konkrete Neuerungen abwarten, bevor sie entsprechende Maßnahmen in Angriff nehmen wollen. Gleichzeitig wird die Tragweite steuerlicher Betrachtungen bei Unternehmensentscheidung immer größer. Die BEPS-Themen Verrechnungspreise (74 %), Betriebsstätten (38 %) sowie das Multilaterale Instrument (23 %) stehen dabei ganz oben auf der ToDo-Liste der Unternehmen. Das geht aus dem Baker Tilly Tax Survey hervor, in dem multinationale Unternehmen aus über 65 Ländern zum Umsetzungsstand ihrer BEPS-Initiativen befragt wurden. 

Die Umfrage zeigt zudem: Etwa 25 Prozent der Unternehmen haben erste Analysen zur Vorbereitung auf die BEPS-Maßnahmen gestartet – gut 37 Prozent haben erste Umstrukturierungen im Bereich Steuern durchgeführt oder sind dabei dies zu tun. 33 Prozent der Unternehmen möchten zunächst noch weitere Regelungen und konkrete Neuerungen abwarten, bevor sie entsprechende Maßnahmen ins Auge fassen.

„Die Unternehmen wissen, dass sie etwas tun müssen – zögern aber z.T. noch, sich konkret mit den Themen zu beschäftigen“, bringt Ines Paucksch, für die Umfrage verantwortliche Partnerin bei Baker Tilly, eines der Ergebnisse auf den Punkt. 

Transfer Pricing, Betriebsstätten und MLI sind zentrale Themen

Als eines der aktuell zentralsten Themen im internationalen Kontext gaben knapp 75 Prozent der befragten Unternehmen das Thema Verrechnungspreise (Transfer Pricing) an. „Etwa zwei Drittel der Befragten haben bisher keine den neuen Regeln entsprechende Verrechnungspreisdokumentation (u.a. Aufbau in Form von „Masterfile“ plus „Localfile“) erstellt oder sind gerade erst dabei, ihre Dokumentation anzupassen, um die neuen Standards zu erfüllen. Viele Unternehmen kennen zwar grundsätzlich die hohe Bedeutung der Verrechnungspreise sowohl in Bezug auf die Erfüllung von Dokumentationspflichten als auch in Bezug auf die Gewinnverteilung der Gruppe, jedoch haben viele Unternehmensgruppen noch Potential, die Themen auch entsprechend intensiv anzugehen“, so Carsten Hüning, verantwortlicher Partner bei Baker Tilly für das Thema Transfer Pricing. 

Neben Verrechnungspreisen nennen die Unternehmen vor allem die Themen Be-triebsstätten mit 38 Prozent und das Multilaterale Instrument (MLI) mit 23 Prozent als Themen von größter Relevanz im internationalen Geschäft. „Es geht dabei auch um die Fragen, wie und dass Betriebsstätten im operativen Ablauf sicher erkannt und effizient umgesetzt bzw. laufend betreut werden können – ungeachtet der gestalterischen Möglichkeiten, die mit Betriebsstätten und der adäquaten Ausgestaltung von Verrechnungspreisen verbunden sind“, fügt Paucksch an. Das Multilaterale Instrument ist erst zum 1. Juli 2018 in Kraft getreten, und soll eine schnelle und effektive Änderung bestehender Doppelbesteuerungsabkommen im Hinblick auf die Intentionen des BEPS-Projekts ermöglichen. „Da die Länder jedoch jeweils ihr eigenes innerstaatliches Ratifizierungsverfahren durchlaufen und die Möglichkeit haben, bestimmte Teile des Instruments abzulehnen, ist das MLI ein deutliches Beispiel für die zunehmende Komplexität im internationalen Steuerumfeld nach BEPS“, so Hüning.

US-Steuerreform wirkt sich nur bedingt aus

Geringe Auswirkungen hat nach Auskunft der befragten Unternehmen bislang die amerikanische Steuerreform von US-Präsident Donald Trump: Zwar bewerten 29 Prozent der Befragten die Auswirkungen für das eigene Unternehmen als positiv (im Gegensatz erwarten nur 14 Prozent einen negativen Effekt) – dennoch haben bislang nur etwa 10 Prozent der Befragten die Reform zum Anlass genommen, die unternehmenseigenen Steuerprozesse umzustellen. Abzuwarten bleibt, ob sich die Auswirkungen der amerikanischen Steuerreform auch auf anderen Steuersysteme, z.B. in Europa oder Asien, auswirken.

BEPS und ATAD führen zu Veränderungsprozessen und ganzheitlichen Betrachtungen

„Für international agierende Unternehmen wächst die Tragweite der steuerlichen Betrachtung bei Unternehmensentscheidungen, und damit auch der Stellenwert des Themas bei der strategischen Ausrichtung von Unternehmen. Geschäfts-, Finanzierungs- und Steuerplanungspolitik multinationaler Unternehmen sind ganzheitlich zu betrachten. Verstärkt wird dieser Trend durch die aktuellen politischen Entwicklungen in den USA, Asien und Europa“, hält Paucksch fest: „Unternehmen sollten die steuerlichen Entwicklungen und den Umsetzungsstand in den einzelnen, für sie relevanten oder relevant werdenden Ländern sehr genau analysieren. In einer zunehmend komplexen Vermischung aus den Anforderungen der Märkte, dem internationalen Steuerwettbewerb sowie politischen Entscheidungen oder Entscheidern werden handhabbare, sichere und im Hinblick auf zukünftige Entwicklungen flexible Lösungen im Sinne der Unternehmen immer wichtiger“.   
 

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