Finanzgericht Düsseldorf: Vorsteuerabzug kann auch aus unvollständigen Rechnungen gewährt werden

Erstellt von Marion Fetzer | |  BTadvice 06/2018

Das Finanzgericht Düsseldorf hat zu dem für die Praxis äußerst relevanten und viel diskutierten Thema „Vorsteuerabzug aus unvollständigen Rechnungen“ eine weitere bemerkenswerte Entscheidung getroffen (FG Düsseldorf, Urteil vom 16. März 2018,

1 K 338/16 U). Im vorliegenden Fall wurde in dem rechtskräftigen Urteil entschieden, dass ein Vorsteuerabzug auch aus einer unvollständigen Rechnung gewährt werden kann, wenn diese aus mehreren Dokumenten besteht.

In dem zu entscheidenden Fall ging es um die formellen Anforderungen einer Rechnung für Zwecke des Vorsteuerabzugs. Im Speziellen musste das Gericht die Frage klären, ob eine Rechnung, welche aus zwei Abrechnungsdokumenten (vorliegend Tages- und Monatsabrechnung) bestand, auch dann zum Vorsteuerabzug berechtigt, wenn ein Abrechnungsteil separat betrachtet nicht alle Anforderungen einer ordnungsgemäßen Rechnung erfüllt, zusammen aber alle Rechnungsanforderungen gegeben sind. Dies war im zugrundeliegenden Fall streitig, da die Monatsabrechnung, welche die Umsatzsteuer offen auswies, nicht explizit auf die Tagesabrechnung verwies, welche die fehlenden Rechnungsangaben beinhaltete.

Nach Ansicht des Finanzgerichts Düsseldorf ist vorliegend der Vorsteuerabzug zu gewähren, da sowohl die formellen als auch die materiellen Voraussetzungen des Vorsteuerabzugs erfüllt sind.

Wie bereits in der Rechtssache „Barlis 06“ vom 15. September 2016 (C516/14) vom EuGH entschieden wurde, muss eine Eingangsrechnung nicht alle erforderlichen Rechnungsangaben enthalten, damit der Leistungsempfänger dennoch ein Vorsteuerabzug geltend machen kann. Vielmehr ist es für den Vorsteuerabzug ausreichend, wenn die materiellen Voraussetzungen erfüllt sind, selbst dann, wenn bestimmte formelle Voraussetzungen fehlen.

Das Finanzgericht Düsseldorf stellt fest, dass es nicht erforderlich ist, dass eine unvollständige Rechnung auf andere Rechnungsdokumente ausdrücklich verweist, welche diese dann vervollständigen. Dies gilt zumindest dann, wenn sich aus dem Sachzusammenhang ein spezifischer und eindeutiger Bezug der anderen Rechnungsdokumente zur unvollständigen Rechnung ergibt.

Betroffenen Unternehmen ist zu raten, eine Prüfung dahingehend vorzunehmen, ob ein entsprechendes Bindeglied zwischen den einzelnen Rechnungsdokumenten vorliegt, damit der oben dargestellte Sachzusammenhang hergestellt werden kann. 

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