E-DRS 33: Währungsumrechnung im Konzernabschluss

|  Mandanteninformation 12/2017

Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e. V. (DRSC) hat im September 2017 den Entwurf des Deutschen Rechnungslegungsstandards Nr. 33 zur Währungsumrechnung im Konzernabschluss (E-DRS 33) veröffentlicht. Zukünftig ist der Standard für alle Mutterunternehmen, welche gemäß § 290 ff. HGB oder gemäß § 11 ff. PublG verpflichtet sind einen handelsrechtlichen Konzernabschlusses aufzustellen (oder dies freiwillig tun), anzuwenden.

Das Deutsche Rechnungslegungs Standards Committee e. V. (DRSC) hat im September 2017 den Entwurf des Deutschen Rechnungslegungsstandards Nr. 33 zur Währungsumrechnung im Konzernabschluss (E-DRS 33) veröffentlicht. Zukünftig ist der Standard für alle Mutterunternehmen, welche gemäß § 290 ff. HGB oder gemäß § 11 ff. PublG verpflichtet sind einen handelsrechtlichen Konzernabschlusses aufzustellen (oder dies freiwillig tun), anzuwenden. Der Entwurf sieht vor, dass dieser erstmals für nach dem 31. Dezember 2018 beginnende Geschäftsjahre anzuwenden ist. Eine frühere vollumfängliche Anwendung ist zulässig und wird vom DRSC empfohlen.

Der Entwurf schließt die durch Aufhebung des DRS 14 in 2010 entstandene Regelungslücke in der HGB-Konzernrechnungslegung und konkretisiert im Wesentlichen (gesetzliche) Regelungen, bspw.:

  • bei der Umrechnung von Fremdwährungsgeschäften in der Handelsbilanz II (HB II),
  • bei der Umrechnung von Fremdwährungsabschlüssen nach der sog. modifizierten Stichtagsmethode gem. § 308a HGB,
  • bei einzelnen Konsolidierungsmaßnahmen,
  • bei der Währungsumrechnung im Rahmen der Anwendung der Equity-Methode bei assoziierten Unternehmen,
  • bezüglich Maßnahmen zur Inflationsbereinigung in den Abschlüssen von Tochterunternehmen in sog. Hochinflationsländern sowie
  • zu Pflichtangaben im Konzernanhang.

Ferner enthält der E-DRS 33 zahlreiche Definitionen und Vereinfachungsmöglichkeiten.

Nachfolgend werden die wichtigsten Regelungen zusammengefasst:

1. Umrechnung von Fremdwährungsgeschäften in der HB II

§ 308 HGB fordert bereits auf Ebene der Handelsbilanzen II die konzerneinheitliche Währungsumrechnung nach den für das Mutterunternehmen geltenden (handelsrechtlichen) Bewertungsmethoden. Insoweit enthält und konkretisiert der E-DRS 33 in diesem Abschnitt die ohnehin für handelsrechtliche Konzernabschlüsse geltenden Regelungen nach Einführung des BilMoG. Der DRSC empfiehlt in diesem konkreten Zusammenhang auch die Anwendung des Standards auf Jahresabschlüsse.

Nach E-DRS 33 ist bei der Umrechnung von Fremdwährungsgeschäften in der HB II zunächst zwischen Erstverbuchungszeitpunkt und Folgebewertung sowie zwischen monetären und nichtmonetären Vermögensgegenständen und Schulden zu unterscheiden.

1.1. Erstverbuchung

Die erstmalige Erfassung der aus einem Fremdwährungsgeschäft resultierenden Vermögensgegenstände, Schulden, Rechnungsabgrenzungsposten oder Sonderposten hat zum Devisenkassakurs am Transaktionstag zu erfolgen.

Nichtmonetäre Vermögensgegenstände und Fremdwährungsverbindlichkeiten sind dabei mit dem Geldkurs umzurechnen. Monetäre Vermögensgegenstände werden mit dem Briefkurs umgerechnet. Statt der differenzierten (Geld- oder Brief-)Kurse darf bei beiden Posten aus Vereinfachungsgründen der Devisenkassamittelkurs herangezogen werden, wenn die damit verbundenen Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage unwesentlich sind.

1.2. Folgebewertung

Für nichtmonetäre Vermögensgegenständen, die in fremder Währung erworben wurden, findet die Währungsumrechnung in die Landeswährung nur im Zugangszeitpunkt statt. Die Folgebewertung – Vergleich der fortgeführten Anschaffungs- oder Herstellungskosten mit dem beizulegenden Wert – ist grundsätzlich auf Basis der im Zugangszeitpunkt erfassten Anschaffungs- oder Herstellungskosten in Landeswährung vorzunehmen.

Abweichend davon findet eine Währungsumrechnung im Rahmen der Folgebewertung bei nichtmonetären Vermögensgegenständen dennoch statt, wenn diese ausschließlich in fremder Währung (wieder-)beschafft oder veräußert werden können. Dabei ist der beizulegende Wert in Fremdwährung mit dem Stichtagskurs umzurechnen und mit den fortgeführten Anschaffungs- bzw. Herstellungskosten in Landeswährung zu vergleichen. Der niedrigere Wert dieser beiden ist gemäß § 253 Abs. 3 S. 5 und 6 bzw. Abs. 4 HGB anzusetzen. Währungsbedingte Wertminderungen nichtmonetärer Vermögensgegenstände sind grundsätzlich von dauernder Natur. Ausnahmefälle sind konkret nachzuweisen.

Auf fremde Währung lautende monetäre Vermögensgegenstände und Verbindlichkeiten sind gem. § 256a S. 1 HGB grundsätzlich zum Devisenkassamittelkurs am Abschlussstichtag umzurechnen. Beträgt deren Restlaufzeit ein Jahr oder weniger, sind gemäß § 256a S. 2 HGB das Realisationsprinzip und das Anschaffungskostenprinzip nicht anzuwenden.

Im Zuge der Folgebewertung von monetären Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten sind neben den währungskursbedingten Wertänderungen auch Änderungen des beizulegenden Werts zu verifizieren. Für währungskursbedingte Wertänderungen gilt § 256a HGB, welcher als „lex specialis“ dem § 253 HGB vorgeht. Währungskursbedingte Wertminderungen sind dabei unabhängig davon zu erfassen, ob diese dauerhaft oder nur vorübergehend sind. Für Änderungen des beizulegenden Werts in Fremdwährung bleiben die allgemeinen Grundsätze des § 253 HGB unberührt.

Währungskursbedingte Wertänderungen und Änderungen des beizulegenden Zeitwerts können kompensatorisch wirken.

Entstehende Umrechnungsdifferenzen bei der Folgebewertung – sofern nicht Teil von Bewertungseinheiten – von nichtmonetären und monetären Vermögensgegenständen und Verbindlichkeiten sind nach E-DRS 33.32 stets erfolgswirksam zu behandeln und in der Konzern-Gewinn-und Verlustrechnung der HB II gesondert unter den „Sonstigen betrieblichen Erträgen“ bzw. unter den „Sonstigen betrieblichen Aufwendungen“ auszuweisen.

2. Umrechnung von Fremdwährungsabschlüssen

In Hinblick auf die Umrechnung von Fremdwährungsabschlüssen gilt seit dem BilMoG die sog. modifizierte Stichtagsmethode gemäß § 308a HGB.

Sämtliche Vermögensgegenstände, Schulden, Rechnungsabgrenzungsposten und Sonderposten des ausländischen Tochterunternehmens sind danach grundsätzlich mit dem Devisenkassamittelkurs am Konzernabschlussstichtag in EUR umzurechnen.

Die Posten des Eigenkapitals sind mit historischen Devisenkassamittelkursen in EUR umzurechnen.

Der E-DRS 33 spezifiziert dabei die verschiedenen historischen Kurse und Ausnahmen, die beim Eigenkapital zur Anwendung kommen können: So sind z. B. Kapitalerhöhungen mit dem Kurs im Zeitpunkt der Entstehung des Anspruchs und die von Tochterunternehmen erzielten Jahresergebnisse mit dem jeweiligen Durchschnittskurs umzurechnen. Ferner sind von Tochterunternehmen gehaltene eigene Anteile sowie Rückbeteiligungen am Mutterunternehmen aus Vereinfachungsgründen wie Eigenkapitalpositionen zu behandeln und folglich mit historischen Devisenkassamittelkursen zum Zeitpunkt des Erwerbs umzurechnen. Dagegen werden Genussrechte – auch wenn sie im Eigenkapital ausgewiesen werden – mit dem Devisenkassamittelkurs zum Abschlussstichtag umgerechnet, da die Kapitalüberlassung auf schuldrechtlicher Grundlage erfolgt.

Die Posten der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung eines ausländischen Tochterunternehmens sind mit dem Durchschnittskurs in EUR umzurechnen.

In diesem Zusammenhang werden Einzelheiten zur Bestimmung des Durchschnittskurses der Posten der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung geregelt. So sind bspw. Volatilitäten der Wechselkurse und saisonale Einflüsse zu berücksichtigen. Bei der Durchschnittsermittlung wird eine Gewichtung anhand der Umsatzerlöse empfohlen.

3. Währungsumrechnung bei einzelnen Konsolidierungsmaßnahmen

In Hinblick auf die Regelungen zur Währungsumrechnung bei der Erst-, Folge-, Ent- oder Übergangskonsolidierung übernimmt und konkretisiert der Entwurf des DRS 33 umfangreiche Grundsätze aus DRS 23 „Kapitalkonsolidierung“. Dabei stellt E-DRS 33 klar, dass die in der Erstkonsolidierung aufgedeckten stillen Reserven und Lasten sowie sich ergebende Geschäfts- oder Firmenwerte, die in Fremdwährung realisiert werden, bzw. stets passive Unterschiedsbeträge aus der Kapitalkonsolidierung des Tochterunternehmens als ein Teil des im Ausland investierten Vermögens zu verstehen sind. Folglich sind diese (wie nach IFRS) in der Währung des Tochterunternehmens zu bewerten. Die Währungsumrechnung erfolgt jeweils mit dem Devisenkassamittelkurs.

Die entstehenden wechselkursbedingten Aufrechnungsdifferenzen im Rahmen der Schuldenkonsolidierung nach § 303 HGB sind grundsätzlich erfolgsneutral in den Posten „Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung“ einzustellen. Ergebnisauswirkungen aus der Bewertung von konzerninternen Schuldverhältnissen im Jahresabschluss eines einbezogenen Unternehmens sind erfolgswirksam zu eliminieren und ebenfalls im o. g. Posten im Eigenkapital einzustellen. Hierauf kann jedoch aus Vereinfachungsgründen unter bestimmten Voraussetzungen auch verzichtet werden. Eine erfolgswirksame Auflösung des Postens im Eigenkapital erfolgt bei Zurückführung der Kreditbeträge.

Folgende Regelungen sieht der Entwurf in E-DRS 33.81 ff. bezüglich der Zwischenergebniseliminierung nach § 304 HGB bei konzerninternen Transaktionen, bei denen unterschiedliche Währungen beteiligt waren, vor:

  • Das zu eliminierende Zwischenergebnis, das gegen den Bestandswert in der Bilanz des Empfängerunternehmens erfasst wird, ist in der Währung des Empfängerunternehmens im Lieferzeitpunkt zu bewerten. Die Veränderung zwischen dem Wechselkurs bei Lieferung und dem Kurs am Abschlussstichtag ist, soweit sie auf das Zwischenergebnis entfällt, erfolgsneutral in die Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung einzustellen.
  • Für die Bewertung des in der Lieferungs- oder Leistungsperiode aus dem Konzernergebnis zu eliminierenden Zwischenergebnisses ist die Währung des Lieferunternehmens maßgeblich.

Auch hierzu sieht der E-DRS 33 Vereinfachungsmöglichkeiten unter bestimmten Voraussetzungen vor.

4. Anwendung E-DRS 33 für die Umrechnung des Fremdwährungsabschlusses eines assoziierten Unternehmens nach der Equity Methode

Für die Umrechnung eines Fremdwährungsabschlusses eines assoziierten Unternehmens enthält das HGB keine expliziten Regelungen. Der E-DRS 33.40 empfiehlt für die Währungsumrechnung von Beteiligungen an assoziierten Unternehmen, welche in den handelsrechtlichen Konzernabschluss nach der Equity-Methode einbezogen werden, die Anwendung der modifizierten Stichtagskursmethode entsprechend des § 308a HGB.

Bei der erstmaligen Equity-Bewertung eines assoziierten Unternehmens, dessen Abschluss auf fremde Währung lautet, gemäß § 312 HGB ist das anteilige Eigenkapital dieses Unternehmens zum Devisenkassamittelkurs am Tag der erstmaligen Equity-Bewertung umzurechnen. Dieser Kurs stellt den historischen Kurs dar.

Bei der Fortschreibung des Equity-Wertes entstehen Differenzen aus der Währungsumrechnung aus dem Vergleich zwischen Stichtagskurs und den differenzierten historischen Kursen. Diese Differenzen sind entweder erfolgsneutral in den Posten „Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung“ einzustellen und als Davon-Vermerk kenntlich zu machen oder im Posten „Anteile aus assoziierten Unternehmen“ auszuweisen und dort oder im Konzernanhang zu vermerken.

Darüber hinaus stellt der E-DRS 33 klar: Weist ein assoziiertes Unternehmen im eigenen Konzernabschluss eine Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung aus, ist diese gemäß E-DRS 33.90 anteilsmäßig in den HGB Konzernabschluss des Gesellschafters zu übernehmen und als Davon-Vermerk unter dem Posten „Eigenkapitaldifferenz aus Währungsumrechnung“ auszuweisen.

5. Tochterunternehmen in sog. Hochinflationsländern

Im HGB ist der Umgang der Einbeziehung von Tochterunternehmen aus Hochinflationsländern nicht explizit geregelt. Der E-DRS 33 stellt klar, dass Tochter- und Gemeinschaftsunternehmen sowie assoziierte Unternehmen erst in den HGB-Konzernabschluss einbezogen werden, wenn die inflationsbedingten Auswirkungen auf den Vermögens- oder Erfolgsausweis (spätestens auf Ebene HB II) bereinigt wurden.

Diese Inflationsbereinigung erfolgt entweder durch die Aufstellung eines Hartwährungsabschlusses oder durch die Indexierung eines auf dem Anschaffungskosten-/ Nominalwertprinzip beruhenden und in Landeswährung des Hochinflationslandes aufgestellten Jahresabschlusses.

6. Angaben zur Währungsumrechnung im Konzernanhang

Weitere Konkretisierungen befinden sich im Bereich der Angabepflichten zum Konzernanhang.

Der E-DRS 33.102 f. fordert Angaben über die Grundlagen der Umrechnung von Fremdwährungsgeschäften bzw. -posten (z. B. Umrechnungsmethoden in der HB II; Vorgehensweise bei der Ermittlung der Durchschnittskurse, Behandlung von Währungsumrechnungsdifferenzen im Rahmen der Schuldenkonsolidierung oder der Zwischenergebniseliminierung oder bei der Anwendung der Equity-Methode) als Teil der Erläuterungen über die angewandten Bilanzierungs- und Bewertungsmethoden gemäß § 313 Abs. 1 S. 3 Nr. 1 HGB.

Zudem dürfen Erträge und Aufwendungen aus der Währungsumrechnung (als Alternative zum gesonderten Ausweis in der Konzern-Gewinn- und Verlustrechnung) aus Gründen der Klarheit und Übersichtlichkeit im Konzernanhang angegeben werden.

Aus unserer Sicht bleibt abschließend festzuhalten, dass durch den E-DRS 33 bestehende Zweifelsfragen bei Währungsumrechnungen in der handelsrechtlichen (Konzern-)Bilanzierung reduziert werden konnten.

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