Steuern: Richtungsweisende Entscheidung zum Erwerb von Kommanditanteilen

|  MandantenInformation 7/2015

Abschreibung der Ergänzungsbilanzen auf Restnutzungsdauer und Wahlrecht zur AfA-Methode.

Abschreibung der Ergänzungsbilanzen auf Restnutzungsdauer und Wahlrecht zur AfA-Methode.

Nach dem BFH-Urteil vom 20. November 2014 (IV R 1/11) wird für den Erwerber eines Anteils an einer Personengesellschaft eine positive Ergänzungsbilanz aufgestellt, welche die darin erfassten Anschaffungskosten so fortführt, dass der Gesellschafter soweit wie möglich einem Einzelunternehmer, dem Anschaffungskosten für entsprechende Wirtschaftsgüter entstanden sind, gleichgestellt wird. Deshalb sind AfA auf die im Zeitpunkt des Anteilserwerbs geltende Restnutzungsdauer eines abnutzbaren Wirtschaftsguts des Gesellschaftsvermögens vorzunehmen (diese ist im Zweifel neu zu schätzen). Zugleich stehen dem Gesellschafter die Abschreibungswahlrechte zu, die auch ein Einzelunternehmer in Anspruch nehmen könnte, wenn er ein entsprechendes Wirtschaftsgut im Zeitpunkt des Anteilserwerbs angeschafft hätte.

Dieses Urteil wurde von unseren Hamburger Kollegen im Rahmen des Erwerbs und der Ver-äußerung von Anteilen an einer Schiffskommanditgesellschaft erstritten. Die steuerlichen Auswirkungen lassen sich jedoch auf alle Arten von Personengesellschaften und Branchen vollständig übertragen.

Für die Praxis bedeutet dies zum einen Rechtssicherheit, da über die Fortführung von Er-gänzungsbilanzen bislang noch keine höchstrichterliche Rechtsprechung ergangen ist. Zum anderen eröffnen sich sehr interessante Gestaltungsmöglichkeiten beim Erwerb von Anteilen an Personengesellschaften, da die im Leitsatz herausgestellte Möglichkeit (Abschreibungs-)Wahlrechte neu in Anspruch zu nehmen, ebenso auf alle anderen steuerlich denkbaren Be-wertungswahlrechte Anwendung findet (z. B. LiFo-Bewertung der Vorräte).

Die Auswirkung dieses Urteiles auch für den Ansatz von aus Sicht eines Einzelunternehmers angeschafften Wirtschaftsgütern ist ebenfalls erheblich. So können statt der Aktivierung eines Firmenwertes, der in der Regel über 15 Jahre abgeschrieben werden muss, Kaufpreis-bestandteile auf selbst geschaffene immaterielle Wirtschaftsgüter zugeordnet werden, die unter Umständen eine deutlich kürzere Abschreibung mit den entsprechenden vorgezogenen steuerlichen Folgen möglich machen. An dieser Stelle ist es überaus wichtig, eine interdis-ziplinäre Beratung in Anspruch zu nehmen, die sowohl die steuerlichen Aspekte berücksichtigt, als auch auf die Erfahrungen aus der Anwendung der IFRS zurückgreifen kann, die schon seit langem eine Aufteilung der Kaufpreise auf die erworbenen Wirtschaftsgüter und eben auch die originär entstandenen immateriellen Wirtschaftsgüter fordern (Stichwort: Purchase Price Allocation).

Mit Kenntnis und in Anwendung dieser neuen Rechtsprechung lassen sich teilweise deutlich höhere Transaktionspreise für Personengesellschaften rechtfertigen. Ein Umstand, der ins-besondere im Transaktionsbereich erhebliche wirtschaftliche Bedeutung erlangen kann.

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