Neukonzeption der Besteuerung von (Spezial-) Investmentfonds bringt nicht erhoffte Wirkung

BTadvice 2019-Q4

Weiterhin erhöhter Umsetzungsaufwand und steuerbilanzielle Herausforderungen durch das Investmentsteuerreformgesetz

Das Investmentsteuerreformgesetz (InvStRefG) ist mit Wirkung zum 1. Januar 2018 in Kraft getreten: Die Motive des Gesetzgebers für die größte Reform der Investmentbesteuerung seit Einführung des Investmentsteuergesetzes im Jahre 2004 lagen u.a. insbesondere in der Reduktion der Komplexität sowie in der Beseitigung bestehender europarechtlicher Bedenken. Zudem trug die Anfälligkeit des alten Investmentsteuergesetzes für Steuergestaltungen sowie die Beseitigung von Systemfehlern zur Notwendigkeit dieser Novelle bei.

Die Gesetzesnovelle beschränkt nicht auf die aus der Historie bekannten Gesetzesanpassungen an aktuelle Rahmenbedingungen, sondern beinhaltet eine tiefgreifende strukturelle Neukonzeption der Investmentfondsbesteuerung sowohl auf Fonds- als auch auf Anlegerebene.

Die Konsequenzen der Reform erstrecken sich auf in- und ausländische Investmentfonds sowie auf private und in besonderem Maße auf bilanzierende betriebliche Anleger, die im Rahmen der Erstellung Ihrer Steuererklärungen vor erheblichen Herausforderungen stehen.

Kernelement des neuen Gesetzes ist die Ablösung des bis dato geltenden Transparenzprinzips durch ein intransparentes Besteuerungsregime für Investmentfonds. Dies wird durch die Einführung einer Körperschaftssteuerpflicht auf Fondsebene auf bestimmte inländische Einkünfte und einer Cash-Flow basierten Besteuerung auf Anlegerebene realisiert.

Für Spezialinvestmentfonds gilt das bisherige Transparenzprinzip weiter, jedoch in stark modifizierter Form. Um einerseits eine optimale Besteuerung zu gewährleisten sowie andererseits teils irreversible steuerliche Nachteile zu vermeiden, gilt es für insb. für Anleger in Spezial-Investmentfonds unter besonderer Berücksichtigung des Umfangs der individuellen Steuerpflicht (insb. bei Banken, Versicherungen, Versorgungswerken und Pensionskassen) aktiv die neu entstandenen Handspielräume zu identifizieren und bestmöglich zu nutzen.

Entgegen der Intention des Gesetzgebers hat die Reform der Investmentbesteuerung die Komplexität der Ermittlung und Aggregation der Besteuerungsgrundlagen auf Anlegerebene insb. in der Übergangsphase zwischen dem bisherigen und neuen Regime eher erhöht als reduziert. Gleiches gilt für das erst in 2019 finalisierte BMF-Schreiben, das zu spät für Berücksichtigung im Rahmen der Steuererklärung 2017 veröffentlicht wurde und den Bereich Spezial-Investmentfonds fast vollständig ausspart.

Im Fokus der Erstellung der Steuererklärungen 2018 in Bezug auf (Spezial-Investmentfonds) stehen insb. aus den Übergangsregelungen resultierende steuer- und außerbilanzielle Anpassungen sowie die steuerlich zutreffende Verarbeitung der laufenden Erträge aus (Ausschüttung, Thesaurierung, Vorabpauschale) sowie sämtliche Realisationstatbestände (bspw. Veräußerung von Investmentfondsanteilen).

In Abhängigkeit der anlegerspezifischen Investmentstruktur (insb. Anzahl, Art und Transaktionshäufigkeit der Fondsinvestments) wird die Ermittlung und Verarbeitung der Besteuerungsgrundlagen aus Investmentfonds daher im Vergleich zu den Vorjahren auf Anlegerebene durch spezielle steuerliche Regelungen während der Übergangsphase sowie geänderte Prozesse und völlig neu konzipierte Formulare ggf. zu einem erheblichen zeitlichen Mehraufwand führen.

Um die Auswirkungen so transparent wie möglich darstellen zu können und eine fristgerechte Abgabe der Steuererklärung sicherzustellen, analysieren wir gerne Ihren individuellen Grad der Betroffenheit.

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