"Neue Geschäftsmodelle entstehen nicht neben dem Alltagsgeschäft."

Was ist das Erfolgsrezept bei der Samhammer AG im Rahmen der Herausforderungen durch die Digitalisierung?

Norbert Samhammer: Die Digitalisierung trifft auch und in besonderem Maße die Samhammer AG, ebenso wie viele andere Unternehmen. Um ihr begegnen zu können, gilt es, sie grundlegend zu verstehen. Dabei stellen sich eine ganze Reihe zentraler Fragen: Was versteht man unter Digitalisierung im globalen Sinne? Welche soziologischen und marktwirtschaftlichen Veränderungen werden wir in den nächsten Jahren voraussichtlich zu erwarten haben? Welchen Einfluss haben diese Veränderungen auf unser Geschäftsmodell?

Es geht also vor allem um Veränderung?

Norbert Samhammer: Jeremy Rifkin hat sich in seinem sehr beachteten Buch „Die Null-Grenzkosten-Gesellschaft“ intensiv und zukunftsorientiert mit den Auswirkungen und Veränderungen der Digitalisierung beschäftigt. Jedes erfolgreiche Unternehmen hat eine erfolgreiche Vergangenheit. Die Märkte verändern sich aber ständig, und mit ihnen Kunden und deren Anforderungen. Verpasst ein Unternehmen diesen Veränderungsprozess und verweilt es zu lange in seiner „Erfolgskomfortzone“, so kann es schnell kritisch werden.

Mit welcher Geschwindigkeit wird sich dieser Wandel vollziehen?

Norbert Samhammer: Die Digitalisierung kommt nicht über Nacht, aber sie kommt! Eine gute Übung der Digitalisierung zu begegnen, ist die „7-Jahresmethode“. Gehen Sie doch einmal sieben Jahre zurück: Welche Kunden, Produkte, Dienstleistungen bestimmten vor sieben Jahren Ihren Unternehmenserfolg? Welche bestimmen den Erfolg heute? Und welche Kunden, Produkte und Dienstleistungen werden es wohl in sieben Jahren sein?

Können Sie uns konkrete Beispiele aus Ihrem unternehmerischen Umfeld nennen?


Norbert Samhammer:
Die Samhammer AG ist ein international tätiges Dienstleis­tungsunternehmen mit dem Schwerpunkt in der Erfassung und Lösung von technischen Störungen. Unsere Auftraggeber sind große internationale Industrieunternehmen, welche uns ihr wertvollstes Gut, ihre Kunden und Anlagen, anvertrauen. Vor sieben Jahren gingen etwa 70 % der Störungsmeldungen per Telefon ein und weitere 30 % per E-Mail. Heute erhalten wir nur noch 50 % per Telefon und 50 % per E-Mail.

Wie wird dies wohl in sieben Jahren sein?

Norbert Samhammer: Wir erwarten etwa nur 20 % der Störungsmeldungen per Telefon, 20 % per E-Mail und etwa 60 % über das „Internet der Dinge“. Ein neuer Informationskanal, der heute noch keine Bedeutung hat, wird 60 % des Störungseingangs übernehmen! Dies zu erkennen und die daraus resultierenden Herausforderungen und Chancen abzuleiten ist enorm wichtig.

Können Sie uns ein zweites Beispiel nennen?

Norbert Samhammer: Werden heute noch für die Erkennung und Behebung einer Störung exemplarisch im IT-Bereich durchschnittlich zehn Minuten benötigt, so ist es die Zielsetzung der Samhammer AG diesen Wert in drei Jahren um 70 % zu reduzieren! Die Digitalisierung bietet hier große Chancen für hohe Produktivitätsverbesserung in unserer Arbeitswelt von morgen. An diesen beiden Beispielen ist ersichtlich, wie sich Geschäftsprozesse und oftmals damit einhergehend auch Businessmodelle verändern werden. Die Treiber dieser Veränderung sind unsere Kunden, unser Wettbewerb und im besten Fall unsere eigene marktführende Innovationskraft. Die Digitalisierung bietet uns Chancen, neue Wertschöpfungsmodelle zu entwickeln und ausgetretene Wettbewerbspfade zu verlassen.

Bleibt letztlich die Frage nach der Innovationskraft und Innovationskultur eines Unternehmens und insbesondere nach der Umsetzungskraft.

Norbert Samhammer: Genau, denn Sie wissen ja sicher: „Hauptbedenkenträger“ lauern an jeder Ecke eines Unternehmens und sind stetig auf der Suche nach Verbündeten. Neue Geschäftsmodelle entstehen nicht neben dem Alltagsgeschäft. An guten Ideen mangelt es uns weiß Gott nicht, aber „jede Idee ist nur dann eine gute Idee, wenn sie umgesetzt ist“, sagt ein Sprichwort. Und gerade mit der „nachhaltigen Umsetzungskraft“ hapert es sicherlich in dem ein oder anderen Unternehmen. Einen klaren Businessauftrag, ein fundierter Businessplan, Frei­räume für die besten Leute, die Einbindung externer Experten und Querdenker, eine grüne Wiese für die Aufbausituation, keine organisatorischen Grenzen, systemische Führung und ein adäquates Budget für mindestens die nächsten drei Jahre sind die Grundvoraussetzungen um die Digitalisierungs-Chancen aus­zuloten.

Ihr Motto lautet also: Besser auf neuen Wegen etwas stolpern, als alte Pfade nicht verlassen?

Norbert Samhammer:
Und stolpern kann auch mal hinfallen heißen. Alles Neue birgt Erkenntnisse. Und um diese Erkenntnisse geht es im Kern. Ohne neue Erkenntnisse, ob Erfolge oder Misserfolge, gibt es keinen Nährboden für Veränderungen. Diese Erkenntnisse sind es, welche es gilt, sorgsam in unsere Business-Entwicklung, in unsere Digitalisierungs-Entwicklung aufzunehmen.

 

Samhammer AG

Die Samhammer AG ist ein international tätiger Full Service Dienstleister mit den Geschäftsfeldern Call Center, e-Commerce sowie Terminal Service. Seit 25 Jahren bietet die Samhammer AG professionelle, nachhaltige und maß­geschneiderte Dienstleistungen für füh­rende nationale und internationale Unternehmen.

Mit mehr als 450 Mitarbeitern setzt die Samhammer AG neue Maßstäbe für exzellente und effiziente Dienstleistung. Das Motto „Mit Ser­vice Menschen begeistern“ steht für gelebte Service Excellence, die sich am Kunden orientiert und kombiniert höchste Qualität, flexibles Gestalten von Geschäftsprozessen sowie die Weiterentwicklung von Geschäftsmodellen. Das werteorientierte Management ist Kunden wie Mitarbeitern dafür eine Leitlinie.