"Wir sind auf dem Weg zur Smart Factory - der denkenden Fabrik."


Herr Weber, Digitalisierung und Industrie 4.0: Was bedeuten diese Begriffe für Sie?

Johann Weber: Für mich beschreiben diese beiden Begriffe nichts Geringeres als die nächste industrielle Revolution. Auf die Einführung mechanischer Produktionsanlagen mithilfe von Wasser und Dampf folgte die Einführung arbeitsteiliger Massenproduktion und schließlich der Einsatz von Elektronik und IT, welche „Speicherprogrammierbare Steuerungen“ (SPS) möglich gemacht haben. Die aktuelle Entwicklung basiert auf den technologischen Grundlagen „cyber-physische Systeme“ und „Internet der Dinge“ – in meinen Augen die vierte industrielle Revolution. Mit jedem Schritt der Industrialisierung hat auch der Grad der Komplexität weiter zugenommen.

Alles wird immer komplexer – aber welches Ziel wird damit verfolgt?

Johann Weber: Letzten Endes geht es ja um Effektivität. Und je mehr Parameter ich beachte, desto effektiver kann ich werden – doch damit steigt dann auch die Komplexität. Wir nutzen jedoch die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen und die wir natürlich auch stetig weiterentwickeln, um die wachsende Komplexität in den Griff zu bekommen. So stehen die Unternehmen heute vor der Herausforderung, Anlagen, Maschinen und Netzwerke miteinander zu verbinden, um die bestmögliche Unterstützung für die Arbeit des Menschen zu erreichen. Darum geht es letzten Endes: Der Mensch wird in seinem Schaffen immer produktiver gemacht. Diese Entwicklung findet sich in jeder bisherigen Industrialisierungsstufe, einschließlich Industrie 4.0.

Welche Aspekte halten Sie dabei für besonders wichtig?

Johann Weber: Mit der Digitalisierung gehen eine Reihe wichtiger Entwicklungen einher, die nicht nur für Industriebetriebe sehr weitreichende Auswirkungen haben. Diese kann man in verschiedene Kategorien unterteilen: Mensch-Maschine-Interaktion, Unterstützung des Menschen, Simulation, Prozess zu Prozess, IT-Technologien, Indirekte Prozesse, Intelligente Produkte und das „Internet der Dinge“. In Summe bringen uns diese Entwicklungen auf den Weg zur Smart Factory – also die „intelligente Fabrik“ – die Vision einer Produktionsumgebung, in der sich Fertigungsanlagen und Logistiksysteme selbst organisieren. Dass das weitestgehend ohne menschliche Eingriffe geschieht, halte ich jedoch (noch) für Zukunftsmusik und spreche hier auch ganz bewusst von einer Vision im Sinne einer Zielrichtung.

Wie gehen Sie bei Zollner mit diesem Wandel um?

Johann Weber: Unternehmen sind sicherlich sehr gut damit beraten, sich genau anzuschauen, welche neuen Chancen und natürlich auch Risiken diese Entwicklungen mit sich bringen. Dabei gibt es eine Reihe von Schlüsselfragen zu beantworten: Welche Bereiche haben das größte Potenzial, um die eigene Wettbewerbsfähigkeit am globalen Markt zu verbessern? Wo lassen sich am schnellsten Fortschritte und damit Wettbewerbsvorteile generieren, mit denen ich mich von anderen Unternehmen entscheidend differenzieren kann? Schließlich gilt es dabei eine Vielzahl von Themen und Maßnahmen aus anderen Schlüsselbereichen zu integrieren. Viele Teilaspekte von „Industrie 4.0“ setzen Unternehmen wie die Zollner Elektronik AG seit Jahren um – nicht, weil es im Trend liegt, sondern weil es logisch und folgerichtig ist und unseren Kunden einen Mehrwert bietet. Beispiele sind hier lückenlose Traceability, Lieferantenselbststeuerung, Behältermanagement oder unser vollautomatisches SMT-Lager.

Welchen Rat können Sie anderen Unternehmen auf ihrem Weg in die Zukunft geben?

Johann Weber: Unternehmen sollten sich eine Reihe von Schlüsselfragen stellen: Was bedeutet Industrie 4.0 für unser Unternehmen und für den Markt? Welche Handlungsfelder ergeben sich aus neuen Geschäftsmodellen und -strategien? Welche Handlungsfelder steigern die eigene Marktstellung? In welchen Handlungsfeldern können wir gewinnbringende Alleinstellungsmerkmale generieren? Aus den Antworten dieser Fragen ergeben sich verschiedene Handlungsfelder, die priorisiert und in eine übergreifende Roadmap überführt werden sollten. Dabei sollten auch Aspekte aus den anderen strategischen Schlüsselthemen integriert werden. Je exakter diese Roadmap ausgearbeitet wird, umso besser – idealerweise mit ganz konkreten strategischen Umsetzungsterminen entlang der von mir gerade beschriebenen Kategorien.

 

Zollner Elektronik AG

Komplexe mechatronische Systeme, von der Entwicklung bis zum After Sales Service: Als Partner global agierender Spitzenunternehmen sowie kleiner und mittelständischer Betriebe bietet die Zollner Elektronik AG branchenübergreifende Systemlösungen entlang des gesamten Produktlebenszyklus.

Das Unternehmen wurde 1965 in Zandt, Bayern gegründet und ist heute eine Aktiengesellschaft, die sich zu 100 % in Familienbesitz befindet. Durch kontinuierliches organisches Wachstum hat sich die Zollner-Unternehmensgruppe als Mechatronikdienstleister unter den Top 15 der EMS-Dienstleister weltweit etabliert. An 18 Standorten in Deutschland, Ungarn, Rumänien, China, Tu­nesien, den USA, der Schweiz, Costa Rica und Hongkong setzt das Unternehmen auf Qualität, optimales Preis-Leistungs-Verhältnis, technologischen Vorsprung und eine Best-Cost-Country-Strategie entlang der gesamten Wertschöpfungskette.

Weitere Informationen unter www.zollner.de/de/